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Fünf Fragen an Markus F. Weidner – ein Gespräch mit dem Gründer der Qnigge Akademie – Freude an Qualität #WertePionier

Markus F. Weidner ist Unternehmer, Autor und inspirierender Vortragsredner. Als Restaurantfachmann hat er Service von der Pike auf gelernt und in seiner internationalen Hotelkarriere als Führungskraft stets gelebt und unter Beweis gestellt. Mit Leidenschaft für Sprache, dem Gespür für Menschen und Organisation baute er ein internationales Schulungsunternehmen auf, das sich zum Marktführer für die Hotellerie entwickelt hat. Heute zählen führende Top-Hotels, Veranstaltungszentren, Kliniken, Banken und Hidden Champions aus  Industrie, Tourismus und Dienstleistung zu seinen Kunden.  Sein Credo: „Servicequalität ist das Ergebnis von Führungsqualität! Führungskräfte müssen in ihrem Selbst- und Rollenverständnis sowohl die Anforderungen ihrer Kunden, wie auch die ihrer Mitarbeiter im Blick haben, und dürfen sich selbst dabei nicht vergessen.“ Er ist Befürworter von Werteorientierung, klaren Regeln im Service, sowie transparenter und wertschätzender Führungskultur. Mit seinen Vorträgen und Büchern „Gut ist nicht genug – Das Qnigge Prinzip oder warum Service klare Regeln braucht“ und „Anerkennung und Wertschätzung – Futter für die Seele und Treibstoff für Erfolg“ gibt der Experte für Führungsqualität und Service wertvolle Impulse für Excellence. Markus F. Weidner stand uns für ein Gespräch zur Verfügung.

 

Frage: Sie haben sich ja in Ihrem Buch „Gut ist nicht gut genug“ mit dem Problem beschäftigt, dass unserer Gesellschaft nicht überleben kann, wenn sie sich nicht den Werten verpflichtet fühlt, insofern ist es ja nicht weiter verwunderlich, dass Sie sich zum Postulat des Wertekodex hingezogen fühlen. Trotzdem erlauben Sie die Frage, wie ist es zum Kontakt zu Bernd Fritzges gekommen?

Markus F. Weidner: Nach 15 Jahren Karriere in der Veranstaltungshotellerie arbeite ich nun seit mehr als 20 Jahren in der Beratung und Weiterbildung für Hotels, Veranstaltungszentren und die MICE-Branche. Bernd Fritzges war zu seiner Zeit bei Intergerma auch im Verband MPI (Meeting Planner Professional) aktiv und über eine gemeinsame Vorstandstätigkeit haben wir uns kennen und schätzen gelernt. Seine Idee, das Thema Werte in einem eigenen Veranstaltungsformat aufzugreifen hat mir von Anbeginn gefallen. So hatten wir auch mein Projekt, den Qnigge® Spendentriathlon, zugunsten von „RTL – Wir helfen Kindern“ in den Jahren 2013-2015 der Werteveranstaltung gewidmet. Ich habe auf der Werte-Bühne öffentlich formuliert, dass ich mich auf den IRONMAN in Frankfurt vorbereite. Mein Versprechen war eine Spende für jeden Trainingskilometer, den ich geschwommen, gelaufen oder Rad gefahren bin. So haben wir am Ende mehr als 15.000 Euro an Spenden für die gute Sache zusammengetragen und dieses Projekt hat uns natürlich auch verbunden. Das weitere Engagement von Bernd Fritzges, auch nach der Zeit von Intergerma, habe ich immer gerne unterstützt, weil wir im privaten, wie im geschäftlichen Umfeld gut beraten sind, Klarheit über unser persönliches und auch geschäftliches Wertegerüst zu haben. Richtig verstanden gibt es Halt, Orientierung und Sicherheit.

Frage: Wenn wir den Wertekodex betrachten ist „Mut“ ein Aspekt, den wir mit Mut angehen sollten. Wenn Sie ihn im Zusammenspiel mit Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten und Mitbewerbern sehen, wo denken Sie ist er am schwierigsten zu verwirklichen?

Markus F. Weidner: Unter Mut verstehe ich die Bereitschaft, sich auf etwas einzulassen, dessen Verlauf und Ende vielleicht noch nicht gewiss ist. Wer heute im Geschäftsleben aktiv ist, der ist ständig Risiken ausgesetzt. Jede Veranstaltung hat ein Risikopotenzial und das gilt es richtig einzuschätzen. Mut ist eine Haltung, etwas Neues zu suchen, Innovation voranzutreiben und auch Scheitern einzukalkulieren, ja sogar in Kauf zu nehmen, um zu lernen. Wer mutig ist, der ist kein kopfloser Draufgänger, im Gegenteil, der Mutige wägt die Chancen gegenüber den Risiken ab. Daher ist es notwendig, dass wir in jeder Beziehung, sei es gegenüber Mitarbeitern, Kunden oder auch Lieferanten und Mitbewerbern mutig sind. Es fällt mir schwer zu sagen, wo mutig sein am Schwierigsten ist, um auf ihre Frage zurück zu kommen. Trotzdem will ich es probieren: Es kann sehr mutig sein, einem jungen Mitarbeiter ein großes Projekt anzuvertrauen. Ebenso einem Kunden die Zusage zu geben, dass beim Ersteinsatz der neuesten Technik alles funktionieren wird. Manchmal braucht es auch den Mut, alte Lieferantenbeziehungen zugunsten von Innovation aufzulösen oder gegenüber einem vermeintlich übermächtigen Wettbewerber in den Pitch zu gehen. Wichtig ist, dass wir Chancen und Risiken in all unseren Geschäftsentscheidungen abwägen und das Ergebnis unseres Handelns vertreten, selbst wenn wir mal daneben liegen oder gar scheitern.

Frage: Respekt ist etwas, was gefordert wird und was eigentlich zu erwarten ist. Wie gehen Sie vor, wenn er Ihnen einmal versagt wird?

Markus F. Weidner: Meine persönliche Grundhaltung ist, dass jedes Verhalten, das uns ein Gegenüber anbietet, aus seiner Sicht zunächst nachvollziehbar und gerechtfertig ist, selbst wenn ich dieses Verhalten selbst nicht für angemessen halte. Damit bemühe ich mich immer, eine Haltung von Respekt zu wahren und auf den anderen mit Wohlwollen zu blicken. „Respicere“, der lateinische Wortursprung von unserem heutigen Wort „Respekt“, bedeutet „zurückschauen“, also auf den anderen einen Blick werfen, ihn würdigen. Vielleicht ist meinem Gesprächspartner gar nicht bewusst, dass er sich mir gegenüber respektlos verhält, weil sein Blick auf die Welt einfach ein anderer ist. Gerade im interkulturellen Umgang kann es schnell zu der Wahrnehmung einer vermeintlichen Respektlosigkeit kommen, getreu dem Sprichwort: „Andere Länder, andere Sitten“. Wir neigen allzu oft zu einer vorschnellen Vorverurteilung, obwohl wir vielleicht nicht alle Fakten kennen, die unser Gegenüber zu seinem Verhalten veranlasst. Für mich geht es darum, wie wir uns selbst führen, selbst wenn uns Respekt gegenüber der eigenen Person versagt bleibt. Wir können uns darüber aufregen, müssen es jedoch nicht. Und was immer hilft, das ist Reden. Ich halte es für wichtig, dass wir im Dialog mit denen sind, deren Respekt wir uns wünschen und vielleicht noch vermissen.

Frage: Weitsicht wird gefordert, weil es in der Natur der Sache liegt, sich zunächst einmal mit dem Naheliegenden zu beschäftigen, weil damit elementare Bedürfnisse zu befriedigen sind. Aber für ein Unternehmen ist die Perspektive wichtig. Können Sie einmal schildern, wie sich in einer krisenhaften Situation herausstellte, wie intuitiv entwickelte Weitsicht über kurzfristiges Profitdenken triumphierte?

Markus F. Weidner: Ich erinnere mich an eine Verhandlung mit einem großen potenziellen Auftraggeber. Die Konditionen waren bereits mehrfach diskutiert. Ich habe alle Aufwände erläutert und dargelegt und auch klar gemacht, dass es für mich keine weiteren Verhandlungsspielräume gäbe. Am Ende hat es dazu geführt, dass eine Veranstaltungsreihe in 6-stelliger Größenordnung geplatzt ist. Auf der Heimfahrt nach dem Gespräch habe ich mir die Frage gestellt, ob es richtig war, meinen Werten, meiner Haltung, treu zu bleiben. „Hätte ich nicht doch noch etwas nachgeben sollen?“ Mit dieser Frage habe ich lange gehadert, hätte es doch für das Unternehmen zwei Jahre im Voraus trotz reduzierter Marge volle Auftragsbücher bedeutet. Kurzfristig gedacht wäre es tatsächlich einfacher gewesen, klein bei zu geben und das Geschäft auch gegen meine eigene Überzeugung und mit einem Bauchschmerz zu realisieren. Heute allerdings weiß ich, wie wertvoll es war, der eigenen Linie treu zu bleiben und für Kunden frei zu sein, mit denen ich auf Augenhöhe und im gleichen Wertekanon arbeiten kann. Inzwischen bin ich sehr dankbar für diese Erfahrung.

Frage: Ehrlichkeit steht an der Spitze der Werteskala. Denken Sie, das dies Zufall ist oder meinen Sie das dies seine Ordnung hat und damit ausgedrückt wird, dass diese Eigenschaft auch Grundlage für alle anderen Werte ist?

Markus F. Weidner: Ehrlichkeit steht zu Recht ganz oben auf der Skala. Allerdings wird der Begriff immer wieder falsch verstanden. Unter Ehrlichkeit verstehe ich nicht, dass ich alles sage, poste, blogge, was mir gerade so auf der Seele brennt. Es ist nicht notwendig, dass ich eine Person durch ein zwar ehrliches, doch nicht zielführendes Feedback vielleicht sogar verletze oder gar beleidige. Selbst wenn es ehrlich ist, muss es nicht unbedingt wertvoll sein. Ehrlichkeit bedeutet für mich, dass sich Menschen auf mein Wort, eine Aussage, eine Information verlassen können. Durch Ehrlichkeit können verlässliche Beziehungen geschaffen werden, die dann auch mal schwere Zeiten schadlos überdauern. In unserem Buch „Anerkennung und Wertschätzung – Futter für die Seele und Treibstoff für Erfolg“ habe ich speziell zum Thema Feedback im positiven, wie auch im kritischen umfassend geschrieben. Gerne möchte ich darauf verweisen.

Frage: Gelegentlich heißt es, Werte seien Luxus und das Streben, ein ordentlicher Kaufmann zu sein, halte den Realitäten nicht stand, was ist zu tun, um diesen Tendenzen Einhalt zu gebieten?

Markus Weidner: Wenn wir über Luxus sprechen, stellt sich zunächst die Frage, wie wir Luxus definieren. Wenn ich mir einen Satz aus Wikipedia zu eigen machen darf, dann beschreibt sich Luxus unter anderem wie folgt. Zitat: „Luxus fasst […] Phänomene zusammen, die für einen großen Teil der Bezugsgruppe als erstrebenswert gelten.“ Demnach ist es für einen werteorientierten Menschen erstrebenswert, seine persönlichen Werte erfüllt zu wissen. Daher werden sich auch im Geschäftsleben die Menschen finden, die ein gemeinschaftliches Werteset nicht nur beschreiben, sondern durch ihr Handeln danach spürbar und erlebbar machen. Und genau das ist auch das Komplizierte. Werte sind etwas Immaterielles. Ich kann den Wert „Respekt“ nicht in eine Schublade legen, so wie ich das mit einem Hammer machen kann. Ich kann diesen Wert nur durch konkretes Handeln für mein Gegenüber spürbar machen. Ein Mitarbeiter merkt sehr schnell, ob die Werte, die in der Hochglanzbroschüre abgedruckt sind, wahrhaftig gewollt und gelebt sind. Als Lieferant merke ich sehr schnell, ob es wahr ist, dass man mir als Lieferant auf Augenhöhe partnerschaftlich begegnen möchte. Ich weiß, dass es Unternehmen gibt, deren Werte auch in der Realität Bestand haben und genauso wird man Beispiele finden, die das Gegenteil erkennen lassen und beide sind wirtschaftlich erfolgreich. Dennoch ist mein Rat, dass sich jeder an die Menschen, Unternehmen und Partner hält, deren Werte auf einer Ebene liegen. Und so verstehe ich auch die Werte-Initiative von Bernd Fritzges, dass sich zum Werte-Event die Menschen treffen und austauschen, denen der Werte-Kodex für die Veranstaltungsindustrie Leitschnur sein mag.


Ein Interview von Philipp Maas.

Mehr Informationen zu unserem #WertePionier, Herrn Markus F. Weidner und seinem Buch finden Sie hier.

 

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