Annegret Steglich

Fünf Fragen an Markus F. Weidner – ein Gespräch mit dem Gründer der Qnigge Akademie – Freude an Qualität #WertePionier

Markus F. Weidner ist Unternehmer, Autor und inspirierender Vortragsredner. Als Restaurantfachmann hat er Service von der Pike auf gelernt und in seiner internationalen Hotelkarriere als Führungskraft stets gelebt und unter Beweis gestellt. Mit Leidenschaft für Sprache, dem Gespür für Menschen und Organisation baute er ein internationales Schulungsunternehmen auf, das sich zum Marktführer für die Hotellerie entwickelt hat. Heute zählen führende Top-Hotels, Veranstaltungszentren, Kliniken, Banken und Hidden Champions aus  Industrie, Tourismus und Dienstleistung zu seinen Kunden.  Sein Credo: „Servicequalität ist das Ergebnis von Führungsqualität! Führungskräfte müssen in ihrem Selbst- und Rollenverständnis sowohl die Anforderungen ihrer Kunden, wie auch die ihrer Mitarbeiter im Blick haben, und dürfen sich selbst dabei nicht vergessen.“ Er ist Befürworter von Werteorientierung, klaren Regeln im Service, sowie transparenter und wertschätzender Führungskultur. Mit seinen Vorträgen und Büchern „Gut ist nicht genug – Das Qnigge Prinzip oder warum Service klare Regeln braucht“ und „Anerkennung und Wertschätzung – Futter für die Seele und Treibstoff für Erfolg“ gibt der Experte für Führungsqualität und Service wertvolle Impulse für Excellence. Markus F. Weidner stand uns für ein Gespräch zur Verfügung.

 

Frage: Sie haben sich ja in Ihrem Buch „Gut ist nicht gut genug“ mit dem Problem beschäftigt, dass unserer Gesellschaft nicht überleben kann, wenn sie sich nicht den Werten verpflichtet fühlt, insofern ist es ja nicht weiter verwunderlich, dass Sie sich zum Postulat des Wertekodex hingezogen fühlen. Trotzdem erlauben Sie die Frage, wie ist es zum Kontakt zu Bernd Fritzges gekommen?

Markus F. Weidner: Nach 15 Jahren Karriere in der Veranstaltungshotellerie arbeite ich nun seit mehr als 20 Jahren in der Beratung und Weiterbildung für Hotels, Veranstaltungszentren und die MICE-Branche. Bernd Fritzges war zu seiner Zeit bei Intergerma auch im Verband MPI (Meeting Planner Professional) aktiv und über eine gemeinsame Vorstandstätigkeit haben wir uns kennen und schätzen gelernt. Seine Idee, das Thema Werte in einem eigenen Veranstaltungsformat aufzugreifen hat mir von Anbeginn gefallen. So hatten wir auch mein Projekt, den Qnigge® Spendentriathlon, zugunsten von „RTL – Wir helfen Kindern“ in den Jahren 2013-2015 der Werteveranstaltung gewidmet. Ich habe auf der Werte-Bühne öffentlich formuliert, dass ich mich auf den IRONMAN in Frankfurt vorbereite. Mein Versprechen war eine Spende für jeden Trainingskilometer, den ich geschwommen, gelaufen oder Rad gefahren bin. So haben wir am Ende mehr als 15.000 Euro an Spenden für die gute Sache zusammengetragen und dieses Projekt hat uns natürlich auch verbunden. Das weitere Engagement von Bernd Fritzges, auch nach der Zeit von Intergerma, habe ich immer gerne unterstützt, weil wir im privaten, wie im geschäftlichen Umfeld gut beraten sind, Klarheit über unser persönliches und auch geschäftliches Wertegerüst zu haben. Richtig verstanden gibt es Halt, Orientierung und Sicherheit.

Frage: Wenn wir den Wertekodex betrachten ist „Mut“ ein Aspekt, den wir mit Mut angehen sollten. Wenn Sie ihn im Zusammenspiel mit Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten und Mitbewerbern sehen, wo denken Sie ist er am schwierigsten zu verwirklichen?

Markus F. Weidner: Unter Mut verstehe ich die Bereitschaft, sich auf etwas einzulassen, dessen Verlauf und Ende vielleicht noch nicht gewiss ist. Wer heute im Geschäftsleben aktiv ist, der ist ständig Risiken ausgesetzt. Jede Veranstaltung hat ein Risikopotenzial und das gilt es richtig einzuschätzen. Mut ist eine Haltung, etwas Neues zu suchen, Innovation voranzutreiben und auch Scheitern einzukalkulieren, ja sogar in Kauf zu nehmen, um zu lernen. Wer mutig ist, der ist kein kopfloser Draufgänger, im Gegenteil, der Mutige wägt die Chancen gegenüber den Risiken ab. Daher ist es notwendig, dass wir in jeder Beziehung, sei es gegenüber Mitarbeitern, Kunden oder auch Lieferanten und Mitbewerbern mutig sind. Es fällt mir schwer zu sagen, wo mutig sein am Schwierigsten ist, um auf ihre Frage zurück zu kommen. Trotzdem will ich es probieren: Es kann sehr mutig sein, einem jungen Mitarbeiter ein großes Projekt anzuvertrauen. Ebenso einem Kunden die Zusage zu geben, dass beim Ersteinsatz der neuesten Technik alles funktionieren wird. Manchmal braucht es auch den Mut, alte Lieferantenbeziehungen zugunsten von Innovation aufzulösen oder gegenüber einem vermeintlich übermächtigen Wettbewerber in den Pitch zu gehen. Wichtig ist, dass wir Chancen und Risiken in all unseren Geschäftsentscheidungen abwägen und das Ergebnis unseres Handelns vertreten, selbst wenn wir mal daneben liegen oder gar scheitern.

Frage: Respekt ist etwas, was gefordert wird und was eigentlich zu erwarten ist. Wie gehen Sie vor, wenn er Ihnen einmal versagt wird?

Markus F. Weidner: Meine persönliche Grundhaltung ist, dass jedes Verhalten, das uns ein Gegenüber anbietet, aus seiner Sicht zunächst nachvollziehbar und gerechtfertig ist, selbst wenn ich dieses Verhalten selbst nicht für angemessen halte. Damit bemühe ich mich immer, eine Haltung von Respekt zu wahren und auf den anderen mit Wohlwollen zu blicken. „Respicere“, der lateinische Wortursprung von unserem heutigen Wort „Respekt“, bedeutet „zurückschauen“, also auf den anderen einen Blick werfen, ihn würdigen. Vielleicht ist meinem Gesprächspartner gar nicht bewusst, dass er sich mir gegenüber respektlos verhält, weil sein Blick auf die Welt einfach ein anderer ist. Gerade im interkulturellen Umgang kann es schnell zu der Wahrnehmung einer vermeintlichen Respektlosigkeit kommen, getreu dem Sprichwort: „Andere Länder, andere Sitten“. Wir neigen allzu oft zu einer vorschnellen Vorverurteilung, obwohl wir vielleicht nicht alle Fakten kennen, die unser Gegenüber zu seinem Verhalten veranlasst. Für mich geht es darum, wie wir uns selbst führen, selbst wenn uns Respekt gegenüber der eigenen Person versagt bleibt. Wir können uns darüber aufregen, müssen es jedoch nicht. Und was immer hilft, das ist Reden. Ich halte es für wichtig, dass wir im Dialog mit denen sind, deren Respekt wir uns wünschen und vielleicht noch vermissen.

Frage: Weitsicht wird gefordert, weil es in der Natur der Sache liegt, sich zunächst einmal mit dem Naheliegenden zu beschäftigen, weil damit elementare Bedürfnisse zu befriedigen sind. Aber für ein Unternehmen ist die Perspektive wichtig. Können Sie einmal schildern, wie sich in einer krisenhaften Situation herausstellte, wie intuitiv entwickelte Weitsicht über kurzfristiges Profitdenken triumphierte?

Markus F. Weidner: Ich erinnere mich an eine Verhandlung mit einem großen potenziellen Auftraggeber. Die Konditionen waren bereits mehrfach diskutiert. Ich habe alle Aufwände erläutert und dargelegt und auch klar gemacht, dass es für mich keine weiteren Verhandlungsspielräume gäbe. Am Ende hat es dazu geführt, dass eine Veranstaltungsreihe in 6-stelliger Größenordnung geplatzt ist. Auf der Heimfahrt nach dem Gespräch habe ich mir die Frage gestellt, ob es richtig war, meinen Werten, meiner Haltung, treu zu bleiben. „Hätte ich nicht doch noch etwas nachgeben sollen?“ Mit dieser Frage habe ich lange gehadert, hätte es doch für das Unternehmen zwei Jahre im Voraus trotz reduzierter Marge volle Auftragsbücher bedeutet. Kurzfristig gedacht wäre es tatsächlich einfacher gewesen, klein bei zu geben und das Geschäft auch gegen meine eigene Überzeugung und mit einem Bauchschmerz zu realisieren. Heute allerdings weiß ich, wie wertvoll es war, der eigenen Linie treu zu bleiben und für Kunden frei zu sein, mit denen ich auf Augenhöhe und im gleichen Wertekanon arbeiten kann. Inzwischen bin ich sehr dankbar für diese Erfahrung.

Frage: Ehrlichkeit steht an der Spitze der Werteskala. Denken Sie, das dies Zufall ist oder meinen Sie das dies seine Ordnung hat und damit ausgedrückt wird, dass diese Eigenschaft auch Grundlage für alle anderen Werte ist?

Markus F. Weidner: Ehrlichkeit steht zu Recht ganz oben auf der Skala. Allerdings wird der Begriff immer wieder falsch verstanden. Unter Ehrlichkeit verstehe ich nicht, dass ich alles sage, poste, blogge, was mir gerade so auf der Seele brennt. Es ist nicht notwendig, dass ich eine Person durch ein zwar ehrliches, doch nicht zielführendes Feedback vielleicht sogar verletze oder gar beleidige. Selbst wenn es ehrlich ist, muss es nicht unbedingt wertvoll sein. Ehrlichkeit bedeutet für mich, dass sich Menschen auf mein Wort, eine Aussage, eine Information verlassen können. Durch Ehrlichkeit können verlässliche Beziehungen geschaffen werden, die dann auch mal schwere Zeiten schadlos überdauern. In unserem Buch „Anerkennung und Wertschätzung – Futter für die Seele und Treibstoff für Erfolg“ habe ich speziell zum Thema Feedback im positiven, wie auch im kritischen umfassend geschrieben. Gerne möchte ich darauf verweisen.

Frage: Gelegentlich heißt es, Werte seien Luxus und das Streben, ein ordentlicher Kaufmann zu sein, halte den Realitäten nicht stand, was ist zu tun, um diesen Tendenzen Einhalt zu gebieten?

Markus Weidner: Wenn wir über Luxus sprechen, stellt sich zunächst die Frage, wie wir Luxus definieren. Wenn ich mir einen Satz aus Wikipedia zu eigen machen darf, dann beschreibt sich Luxus unter anderem wie folgt. Zitat: „Luxus fasst […] Phänomene zusammen, die für einen großen Teil der Bezugsgruppe als erstrebenswert gelten.“ Demnach ist es für einen werteorientierten Menschen erstrebenswert, seine persönlichen Werte erfüllt zu wissen. Daher werden sich auch im Geschäftsleben die Menschen finden, die ein gemeinschaftliches Werteset nicht nur beschreiben, sondern durch ihr Handeln danach spürbar und erlebbar machen. Und genau das ist auch das Komplizierte. Werte sind etwas Immaterielles. Ich kann den Wert „Respekt“ nicht in eine Schublade legen, so wie ich das mit einem Hammer machen kann. Ich kann diesen Wert nur durch konkretes Handeln für mein Gegenüber spürbar machen. Ein Mitarbeiter merkt sehr schnell, ob die Werte, die in der Hochglanzbroschüre abgedruckt sind, wahrhaftig gewollt und gelebt sind. Als Lieferant merke ich sehr schnell, ob es wahr ist, dass man mir als Lieferant auf Augenhöhe partnerschaftlich begegnen möchte. Ich weiß, dass es Unternehmen gibt, deren Werte auch in der Realität Bestand haben und genauso wird man Beispiele finden, die das Gegenteil erkennen lassen und beide sind wirtschaftlich erfolgreich. Dennoch ist mein Rat, dass sich jeder an die Menschen, Unternehmen und Partner hält, deren Werte auf einer Ebene liegen. Und so verstehe ich auch die Werte-Initiative von Bernd Fritzges, dass sich zum Werte-Event die Menschen treffen und austauschen, denen der Werte-Kodex für die Veranstaltungsindustrie Leitschnur sein mag.


Ein Interview von Philipp Maas.

Mehr Informationen zu unserem #WertePionier, Herrn Markus F. Weidner und seinem Buch finden Sie hier.

 

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Zurück in die Zukunft! – Warum die Veranstaltungsindustrie werteorientierte Einkäufer braucht

 

Im April 2013 erschien im „Verlag Wissenschaft & Praxis“ das Buch „Werte 2.0: Beiträge zu einer Werte-Orientierung in der Veranstaltungswirtschaft (Messe-, Kongress- und Eventmanagement)“. Als Initiator und Veranstalter des WerteEvents war sich Bernd Fritzges schon damals sicher, dass die Veranstaltungsbranche einem Werteverfall unterliegt und schrieb einen entsprechenden Artikel für das Buch, welches durch Herrn Professor Stefan Luppold herausgegeben wurde. Besonders wichtig war es ihm, in seinem Artikel auf den fairen Einkauf von Veranstaltungsdienstleistungen hinzuweisen. Dieses Thema ist heute aktueller denn je. Daher ist es an der Zeit, sich also noch einmal intensiver mit dem Artikel zu beschäftigen und die Entwicklungen der vergangenen vier Jahre Revue passieren zu lassen.

Dank der Werteevents ist eine deutliche Veränderung hin zu einem wertvolleren Miteinander zu erleben. Gemeinsam mit unseren Partnern blicken wir der Zukunft der Eventbranche erwartungsvoll entgegen.

 

Zurück in die Zukunft 

Warum die Veranstaltungsindustrie werteorientierte Einkäufer braucht

 

In den letzten Jahren hat die Sensibilität und Berücksichtigung der unternehmirischen
Gesellschaftsverantwortung (Corporate Social Resbonsibility) in allen Bereichen stark zugenommen. Eine logische Konsequenz, da immer mehr Unternehmen ihre selbst auferlegten CSR-Richtlinien transparent zugänglich machen oder inzwischen als zusätzliches Marketinginstrument einsetzen. Daher sollte man als Veranstaltungsplaner davon überzeugt sein, dass gerade Tagungen und Events hervorragende Möglichkeiten bieten, um diese positive Grundeinstellung eines Unternehmens zu transportieren. Nur leider sieht die Realität anders aus, da vor der Organisation, Durchführung und Nachbereitung von Veranstaltungen der strategische Einkauf steht.

Blicken wir kurz zurück, wie es in der Vergangenheit unserer noch sehr jungen Branche aussah. Die Beauftragung von Veranstaltungsdienstleistern in Unternehmen oblag einem eher semiprofessionellen Planer, der keine Standards kannte und intransparent vorging. Das Internet gab es noch nicht bzw. wurde noch nicht genutzt, alle Prozesse liefen daher offline ab. Veranstaltungen waren weniger komplex und der Planer war verantwortlich für den Einkauf und die Organisation. Um das Jahr 2000 kam es zu vielen Veränderungen. So schaltete sich verstärkt die Einkaufsabteilung ein und entzog dem Planer die vollständige Selbstständigkeit. Man versuchte mit Unterstützung von neuen webbasierten Tools Struktur und Transparenz in die Prozesse zu bekommen und die auch heute bekannten Schlagwörter wie Steuerung, Volumenbündelung, Prozess- und Kostenoptimierung bestimmten das Geschehen. Es wurde versucht Richtlinien und Standards einzuführen und es entwickelten sich Berufsbilder an Fachhochschulen für den Eventbereich sowie der Lehrberuf des Veranstaltungskaumanns/frau.

Inzwischen sind unzählige Publikationen vorhanden, wie der strategische Veranstaltungseinkäufer vorzugehen hat und vieles davon ist zwingend notwendig. Die Forderung nach Veranstaltungsrichtlinien, die Überlegung „Make or Buy“ und die Überprüfung der bereits benannten Möglichkeiten zur Kosten- und Prozessoptimierung gehören sicherlich inzwischen zur Grundausstattung eines Einkäufers. Dies hat jedoch auch zur Folge, dass für die Beauftragung von Leistungsträgern umfangreiche Leistungsverzeichnisse erstellt werden, die oftmals die wichtigsten Bestandteile einer professionellen Veranstaltungsorganisation nicht berücksichtigen. Tagungen, Seminare, Kongresse und Events leben von der Erfüllung der Erwartungshaltung der Teilnehmer und dem Erreichen der Zielsetzung des Veranstalters. Hierbei steht immer der Mensch im Mittelpunkt des Geschehens und somit müssen viele emotionale Kriterien in den Vordergrund gerückt werden.

Schon bei dem Versuch einem Einkäufer zu erläutern, dass zum Beispiel die Buchung eines Fluges nicht mit der Buchung eines Tagungshotels oder einer Eventlocation verglichen werden kann, stößt meistens auf Unverständnis. Dabei ist es in diesem Beispiel doch schon offensichtlich, dass je nach Veranstaltungsart man auch die weichen Faktoren wie Design, Atmosphäre, Servicebereitschaft und -qualität des auszuwählenden Hauses einfließen lassen muss. Ob der Teilnehmer in einer Boeing oder in einer Airbus Maschine sitzt, wird im Gegensatz dazu eher kaum einen Einfluss für ihn nehmen.
Das Fehlerpotential wird ebenfalls beim Einkauf von Veranstaltungsleistungen dadurch erhöht, dass eine lückenlose Kommunikation mit einer größeren Anzahl von Leistungsträgern hergestellt werden muss. Dies funktioniert nur mit persönlicher Betreuung, vorhandener Markt- und Veranstaltungskompetenz, permanenter Überprüfung der Qualität und für die Konzeptentwicklung ein hohes Maß an Kreativität. Und hierbei kommen wir an die Grenzen der Leistungsverzeichnisse. Aus eigener Erfahrung kann ich davon berichten, dass jüngst im Zuge einer Ausschreibung ein Unternehmen eine Quotierung von „8 Stück Kreativkonzept“ gefordert hat ohne die Möglichkeit mit der operativen Seite im Unternehmen Rücksprache zu nehmen. Auch die Qualität der Kompetenz und Servicebereitschaft ist nur schwer tabellarisch abbildbar. Nun muss man konstatieren, dass der Einkäufer im Unternehmen in den meisten Fällen nicht nur Eventleistungen einkauft, sondern ebenfalls auch klar definierbare Produkte wie Schrauben, Baustoffe, Maschinen und vieles mehr.

Nichts desto trotz hat sich diese Vorgehensweise in unserer Branche etabliert und viele Dienstleister im MICE-Markt sehen sich einem allgemeinen „Pitch-Wahnsinn“ ausgeliefert, da Einkäufer in erster Linie an der Erreichung von Savings und Kosteneinsparungen gemessen werden. Auch in diesem Zusammenhang wundert es einen nicht, dass etablierte Veranstaltungseinkäufer von Unternehmen im Zuge eines Kongressvortrages ihren Kollegen raten, für eine Ausschreibung mindestens zehn Agenturen ins Boot zu nehmen – ohne Honorar versteht sich.

Was ist eigentlich aus den guten alten Werten wie Vertrauen, Ehrlichkeit und Partnerschaftlichkeit geworden? Warum agieren wir nur noch anonym miteinander ohne die Möglichkeit eines persönlichen Wortes. Nun, dies liegt leider auch in dem Fehlverhalten der Leistungsträger in den letzten Jahren. Provisions- und Aufschalgsmodelle in der Branche haben dafür gesorgt, dass man über Jahre versteckte Kosten den Unternehmen nicht transparent zugänglich gemacht hat, was nicht mehr vereinbar mit den heutigen Anforderungen ist. Solche Angebote führten dazu, dass teilweise für die vollständige Durchführung von Veranstaltungen Agenturen am Ende über Kick-Back Vereinbarungen  dem Bucher Geld dafür bezahlten, dass man professionell für ihn tätig geworden ist. Ein absurdes Vorgehen, was zur Konsequenz  hat, dass Leistungsträger nach wie vor kein Selbstbewusstsein mehr besitzen, den Wert ihrer Leistungen zu argumentieren. Stattdessen arrangiert man sich mit dem Status Quo, denn beim nächsten Mal hat man vielleicht Glück, den Pitch zu gewinnen.

Bezugnehmend auf die eingehend genannte unternehmerische Verantwortung sollten wir diesen Prozess gemeinsam hinterfragen. CSR-Modelle von Unternehmen beinhalten neben Formulierungen zur ökonomischen und gesetzlichen, ebenfalls Angaben zur ethischen und philanthropischen Verantwortung. Oftmals beinhaltet dies die Beschreibung des fairen Umgangs mit Mitarbeitern und Dienstleistern sowie das gesellschaftliche Engagement über die allgemeine Erwartungshaltung hinaus. Unternehmen überprüfen im vorgelagerten Matrixverfahren, ob die eigenen Unternehmenswerte, mit denen am Pitch beteiligten Unternehmen übereinstimmen. Merkwürdig jedoch nur, dass im Prozess der Quotierung, dies oftmals keine Rolle mehr spielt. Fragen wir beispielsweise Vertreter von Leistungsträgern, so wird uns berichtet, dass eine Vielzahl von Angaben hinsichtlich der ökologischen Nachhaltigkeit gefordert werden, jedoch in der Preisverhandlung keine Berücksichtigung mehr finden. Dabei wäre es doch in diesem Prozess so einfach, der selbst auferlegten ökologischen Verantwortung gerecht zu werden. Auch stellt sich die Frage, ob die Selbstverständlichkeit der Forderungen  nach Vorleistungen im Zuge des Pitch vereinbar ist mit der Bezeichnung „fairer Umgang“.
Darüber hinaus sollte jedem Einkäufer bewusst werden, dass die Einbindung von Dienstleistern auch die Effizienz der Fachabteilungen im Unternehmen erhöht und nicht nur an den abgegeben Zahlen im Angebot dargestellt werden kann. Eine Messbarkeit der benötigten weichen Faktoren ist nach wie vor schwer abbildbar.

Nur wie sollen beide Seiten mit diesem Dilemma umgehen?

Erste Entwicklungen in den Unternehmen zeigen, dass man verstanden hat, dass die Beauftragung  von Leistungsträgern nicht ausschließlich in der Verantwortung des Einkaufes liegen kann. Zunehmend werden die operativen Mitarbeiter im Unternehmen in den Ausschreibungsprozess eingebunden und ihre Empfehlungen berücksichtigt. Dies ist sicherlich ein erster guter Ansatz, um Entscheidungsprozesse zu hinterfragen und zu bewerten.

Darüber hinaus sollten wir wegkommen von der projektbezogenen Pitch-Kultur, sondern auf bevorzugte Leistungsträger oder Rahmenvertragspartner steuern. Die Auswahl dieser Partner muss  im Einklang stehen, mit den selbst auferlegten Unternehmenswerten. Dies wird man jedoch nicht ausschließlich über eine tabellarische Abfrage einschätzen können. Wir sollten uns klar darüber werden, dass im Veranstaltungssektor immer der Mensch im Vordergrund steht, daher  muss man auch bei den Leistungsträgern auf verlässliche Partner des Vertrauens zurückgreifen können.

Wenn wir es schaffen in einem ehrlichen und offenen Umgang miteinander basierend auf der eigenen Werteorientierung zusammenzuarbeiten, dann werden die Ergebnisse dieser Arbeit von Erfolg gekrönt sein. Dazu benötigen wir jedoch auch eine Rückbesinnung und Wertschätzung auf Vorgehensweisen, die uns in der digitalen Welt manchmal verloren gehen. Neue Prozesse und Tools sollten nicht ihrer selbst wegen eingeführt werden, sondern nur dort wo sie sinnvoll sind und zu einer wirklichen Verbesserung führen.

Bei genauer Überlegung, was uns gemeinsam zum Erfolg von professionellen und hochwertigen Veranstaltungen führt, werden wir feststellen, dass Handlungen basierend auf der Übertragungslinie von Werten bisher einen guten Dienst erwiesen haben. Daher lassen Sie uns auch in der Zukunft diese Qualitäten mitnehmen – die Branche wird es uns danken.

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Fünf Fragen an Anke Stopperich – ein Gespräch mit der Locationagentur BESONDERE ORTE #WertePionier

Schon im Namen der Berliner Locationagentur BESONDERE ORTE steckt, was Kunden erwarten können: Sechs außergewöhnliche Veranstaltungsorte für nahezu jedes Eventformat mitten in Berlin. Vom Industriedenkmal über eine mehr als 100 Jahre alte Kirche bis hin zur Location auf einem der schönsten Plätze der Hauptstadt, dem Berliner Gendarmenmarkt. „Wir machen das!“ ist nicht nur Credo des Unternehmens sondern auch Erfolgsgarant. Wie sich Werte auf Prozesse im Unternehmen und im Umgang miteinander und auf Ressourcen auswirken, darüber gibt Anke Stopperich (Prokuristin des Unternehmens), auf fünf Fragen Antworten. 

 

Frage: Wie Sie sagten, haben Sie sich bei den BESONDEREN ORTEN  schon mit Wertefragen beschäftigt, bevor Sie mit dem Wertekodex in Berührung kamen. Nach innen über das gemeinsam mit den Mitarbeitenden entwickelte Leitbild, nach außen in Ihrem Engagement im Rahmen von Berliner  Branchennetzwerken wie dem visit Berlin Convention Partner e.V. oder Meet Berlin. Wie hilft Ihnen das bei den Abläufen?

Anke Stopperich: Was die Arbeit mit Werten auszeichnet ist ja, dass sie nie abgeschlossen ist. Einmal formulierte Werte müssen stetig mit Leben gefüllt werden. Unser Leitbild haben wir als kleines Unternehmen mit nicht einmal zehn Mitarbeitern entwickelt. Heute mit fast 50 Beschäftigten haben die damals formulierten Werte nach wie vor Bedeutung. Gerade beim Recruiting erfahren wir eine große Resonanz auf unsere im Leitbild formulierten Werte. Und für die Arbeit mit Partnern gilt ebenfalls, was wir damals formuliert haben: Intensive und effektive Kommunikation ist für die Zusammenarbeit essentiell. Der Austausch im Netzwerk – auch mit Mitbewerbern – ist für beide Seiten gewinnbringend: „Könnt ihr einen Grafiker empfehlen.“ „Wie strukturiert ihr bestimmte Prozesse?“

Frage: Ein wichtiger Aspekt des Wertekodex ist Mut, ohne den unternehmerisches Handeln ja nicht möglich ist. Wäre es Ihnen möglich kurz zu schildern, was hier die Klippen sind, die es zu umschiffen gilt?

Anke Stopperich: Wir haben uns in den letzten 16 Jahren vom Betreiber einer einzelnen Location in Berlin zur Locationagentur mit nunmehr sechs Orten entwickelt. Ein wachsendes Unternehmen bringt seine eigenen Herausforderungen mit sich: Strukturen und Abläufe müssen sich verändern. Die Kommunikation ist eine andere, wenn ein Teil des Teams an einem anderen Standort arbeitet. In Bezug auf unsere Werte bedeutet das, (neuen) Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern stetig zu vermitteln was uns wichtig ist. Insofern folgt auf den Mut zu wachsen, immer die Arbeit im Kleinen, an den Details, um unternehmerische Entscheidungen zukunftsfähig umzusetzen.

Frage:  Zuverlässigkeit ist in der Eventbranche schon etwas, was hier noch wichtiger ist als anderswo, weil vieles nicht schriftlich fixiert wird. Gerade bei Veranstaltungen mit sehr vielen Teilnehmern ist das etwas, worauf es ankommt, wenn es gelingen soll. Was sind für Vorkehrungen zu treffen, dass dies gelingt?

Anke Stopperich: Wir arbeiten mit vielen langjährigen und verantwortungsbewussten Partnern zusammen, auf die wir uns verlassen können und umgekehrt genauso. Und was den Aspekt der Sicherheit auf Veranstaltungen anbelangt: Die BESONDEREN ORTE sind seit 2012 nach EMAS zertifiziert – als erste Eventlocations in Deutschland. EMAS gilt als das weltweit anspruchsvollste Umweltmanagementsystem. Dabei spielt nicht nur die Verbesserung der unternehmerischen Umweltleistung eine Rolle. Auch in punkto Sicherheit werden wir dabei von einem unabhängigen Auditor regelmäßig auf Herz und Niere geprüft. Das geht von der Sicherheit unserer technischen Anlagen über die Prüfung von Bestuhlungsplänen und Fluchtwegen bis zur regelmäßigen Schulung unserer Mitarbeiter.

Frage: Im Wertekodex ist von Weitsicht die Rede. Stellt das besondere Herausforderungen an Ihr Unternehmen?

Anke Stopperich: Weitsicht bedeutet einerseits über den Tellerrand zu schauen und andererseits, dem Nachhaltigkeitsgedanken folgend, so zu handeln, dass  auch künftige Generationen ihren Lebensstil frei wählen können. In Bezug auf Letzteres ist unser früher Fokus auf Nachhaltigkeit und CSR, nämlich seit Gründung unseres Unternehmens, im Nachhinein sicher als weitsichtig zu bezeichnen. Gleichzeitig sind wir auch in diesem Punkt immer auf der Reise, Stehenbleiben ist keine Option. Sowohl die Mitarbeitenden als auch wir als Geschäftsleitung entwickeln uns stetig und wachsen an den Herausforderungen, die veränderte Rahmenbedingungen und Anforderungen mit sich bringen. Wir haben eine große Offenheit für neue Impulse und Ideen, deren Umsetzung ist zum Teil kurzfristig aber immer weitsichtig gedacht!

Frage: Gelegentlich heißt es, Werte seien Luxus und das Streben, eine ordentliche Kauffrau zu sein, halte den Realitäten nicht stand, was ist zu tun, um diesen Tendenzen Einhalt zu gebieten?

Anke Stopperich: Unternehmerisches Handeln ohne Werte kann nicht gelingen. Die Werte eines Unternehmens sind die Grundlage für die Zusammenarbeit mit Partnern und Kunden, sie sind der Schmierstoff, der die Organisation zusammenhält. Hier schließt sich der Kreis zu dem, was ich eingangs erwähnte. Auch Werte unterliegen einer Entwicklung. Anfang des Jahres haben wir uns erneut mit unseren Werten, vor allem aus der Sicht der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, beschäftigt. Dabei wurden zwar keine gänzlich neuen Werte formuliert aber es fand eine Verschiebung der Prioritäten statt. Ein Beispiel: Seit Unternehmensgründung haben wir uns Ziele für mehr Nachhaltigkeit bei Veranstaltungen gesteckt und in diesem Bereich sehr viel erreicht. Insofern ist es logisch, dass der Wert „Wir denken, arbeiten und handeln umweltbewusst und nachhaltig“ etwas weiter nach hinten gerückt ist, während der Wert einer offenen, authentischen Kommunikationskultur ganz vorne steht.

Bildquelle: https://besondere-orte.com/


Ein Interview von Philipp Maas.

Mehr Informationen zu unserem #WertePionier, dem Filmpark Babelsberg hier.

 

 

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Ehrbare Kaufleute, WerteKodex und Nachhaltigkeit – Veranstaltungswirtschaft trifft sich zum WerteEvent in Dortmund

Der Termin für das nächste WerteEvent (ehemals Werte 2.0) steht fest und was anfangs für die drei Veranstalter Bernd Fritzges, ESTREL Berlin und Hotel Schloss Montabaur noch wie ein Klassentreffen von werteorientierten Veranstaltungsplanern wirkte, hat sich inzwischen zu einem besonderen Format der Veranstaltungsbranche entwickelt und findet bereits zum 8. Mal statt. Am 14. Juni 2017 kommen die Teilnehmer erstmals im Kongresszentrum der Westfalenhallen Dortmund zusammen.

 

Das Eventformat beschäftigt sich mit Werten und Visionen, die den geschäftlichen Alltag beeinflussen sowie deren Veränderung und Bestand. Im Laufe der letzten Jahre hat sich der Veranstaltungstermin im Kalender vieler Veranstaltungsplaner, Firmenverantwortlicher und Unternehmer verankert. Auch in diesem Jahr wird ein spannendes Workshop- und Vortragsprogramm verknüpft mit gezieltem Networking, dank eines innovativen Match-Making-Tools, Unterhaltung sowie dem gelebten Charity-Gedanken. Das jährliche Event ist eine Benefizveranstaltung zu Gunsten der Stiftung „RTL – Wir helfen Kindern e. V.“, die durch das WerteEvent über die Jahre bereits eine Spendensumme von ca. 60.000 Euro erhalten hat.

 

Ein dynamisches Duo: WerteEvent und WerteKodex

Im Mittelpunkt hierbei steht der WerteKodex der deutschen Eventbranche. Dieser wurde im letzten Jahr durch ein namhaftes Gremium erarbeitet und bildet gemeinsam mit dem WerteEvent die tragenden Säulen der neuen Internet-Plattform www.werte.foundation. Hier laufen alle Informationen zusammen zur jährlich stattfindenden Veranstaltung, Inhalte des Kodex, Blogbeiträge sowie die Präsentation der WertePioniere, die sich dem WerteKodex verpflichtet haben. Dadurch wird eine nachhaltige Verbindung geschaffen zwischen der Benefizveranstaltung, die Anregungen für die Umsetzung eines werteorientierten Handelns in der Eventbranche liefert, und einer stetig wachsenden Community, die ihr Commitment zum WerteKodex und den damit verbundenen Leitsätzen gibt. Das Ziel ist es nicht zur „Werte-Polizei“ zu werden, sondern der Veranstaltungsindustrie eine Kommunikationsplattform offline sowie online zu bieten. Dabei ist es jedem Nutzer selbst überlassen, zu kommentieren, zu hinterfragen, Anregungen oder Kritik zu geben.

 

Gambling? Wie passt das mit Werten zusammen?

Selbstverständlich soll das Handwerkszeug eines Veranstaltungsplaners auch in diesem Jahr nicht zu kurz kommen. So wird das WerteEvent unter einem Motto stehen, welches sich programmatisch und visuell wie ein roter Faden durch die Veranstaltung ziehen wird. Das Thema „Werte Gambling“ wird den Gast beschäftigen und sorgte bereits im Vorfeld für Irritation, denn wie soll ein werteorientiertes Handeln mit dem Begriff „Gambling“ zusammenpassen? Ein erster Blick in das Programm lässt erahnen, wie die Brücke gebaut wird.

So wird der berühmte Poker-Experte, Bestsellerautor und Diplom-Mathematiker Stephan Kalhamer mit seiner Key Note „Werte Gambling – Entscheidungen im Ungewissen“ auf unterhaltsame Weise die Erkenntnisse über problematische Entschlüsse teilen. Teilnehmer erfahren wie faszinierend vielschichtig die Parallelen zwischen Poker und der realen Welt sind. Die Umwelt ganzheitlich erfassen, Chancen erkennen, bewusst überschaubare Risiken eingehen sind dabei nur einige Einblicke.

In den letzten beiden Jahren überzeugte Markus Hornung als Experte für emotionale Intelligenz bereits die Teilnehmer. Grandiose Feedbackbewertungen der Zuhörer veranlassten die Veranstalter auch dieses Jahr, den Coach mit seinem neuen Vortrag „Der Schlüssel zur Entscheidung – Emotion oder Ration?“ für das Programm zu gewinnen.

Geballte Frauen-Power wird durch die Unternehmensberaterin und Trainerin der Schule für Unternehmer Gertrud Hansel (unten links) sowie durch Doreen Biskup (unten rechts), die dem versierten Eventplaner bereits als Redakteurin, Referentin und Vorstandsmitglied von der Vereinigung Deutscher Veranstaltungsorganisatoren bekannt ist, geboten. Letztere wird als renommierte Fachfrau für interaktive Veranstaltungsformate mit den Teilnehmern in ihrem Workshop die Antwort erarbeiten, warum BarCamp, World Café und Co. mehr Mut als Verstand erfordern.

Getrud Hansel hingegen wird näherbringen, warum immer drei Stimmen in unseren Köpfen vorhanden sind und wie man trotzdem die richtigen Entscheidungen im Unternehmeralltag trifft.

                  

Ganz anders werden die Teilnehmer Prof. Dr. Hans Rück in diesem Jahr erleben. Mit dem Thema „Das Jazz-Prinzip: Improvisation als Erfolgsfaktor im Management“ wurde nach einem persönlichen Gespräch zwischen dem Dekan der Hochschule Worms und dem Werte-Initiator Bernd Fritzges eine grandiose Vortragsidee geboren. Alle wissen, dass Improvisation (leider) für Veranstaltungsprofis zum Alltag gehört. Meist geht es dabei nur um Notlösungen. Im Jazz dagegen ist Improvisation nicht Ausweg, sondern Absicht. Nicht Behelf, sondern Basis der Zusammenarbeit. Kann das Event-Management vom Jazz lernen? Rück wird als leidenschaftlicher Musiker diese Antwort auch mit Hilfe einer Live-Demonstration beantworten!

Auch mit der Moderation ist der Veranstalter Fritzges sehr zufrieden. „Nachdem ich das Vergnügen hatte für das letzte Event Sabine Altena noch via Skype in ihrem Urlaub am karibischen Strand für das WerteEvent zu gewinnen, bin ich überglücklich, dass die schwungvolle Top-Moderatorin auch für dieses Jahr zugesagt hat – allerdings erfolgte dieses Mal die Zusage ohne Bikini und ohne Videoübertragung. Sie wird eine der Spielpartner abends am Poker-Tisch sein, denn derzeitig wird eine Charity-Pokerrunde vorbereitet, zu der sich neben unserem Poker-Profi nach jetzigem Planungsstand auch weitere Prominenz dazugesellen wird.“, so Fritzges. Abgerundet mit einem Act aus „Stars in Concert“ vom ESTREL Berlin soll der Abend wieder mit vielen wertvollen Gesprächen ausklingen.

Wer mehr über das Werte-Projekt erfahren oder sich zum WerteEvent anmelden möchte, findet alle Informationen unter www.werte.foundation. Tickets sind ab 139 Euro erhältlich.

Bild und Text: © www.werte.foundation

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Fünf Fragen an Friedhelm Schatz – ein Gespräch mit dem Geschäftsführer der Filmpark Babelsberg GmbH #WertePionier

Der Filmpark Babelsberg ist ein Freizeit- und Themenpark im Potsdamer Vorort Babelsberg. Es ist eine Attraktion, wie man sie um Umkreis von 800 km nicht wieder findet. Hier, auf historischem Boden, wo mehr als 3 000 Kinofilme entstanden, kann man eintauchen in die Welt der Shows, des 4D- und XD-Kinos, findet man Originalkulissen und Ausstellungsbereiche zu Film und Filmhandwerk. Der Filmpark ist Teil der Medienstadt Babelsberg und liegt direkt neben dem Filmstudio Babelsberg, dem ältesten Großatelier-Filmstudio und größten Filmstudio Europas. Entertainment in großem Stil ist  hier angesagt. Friedhelm Schatz, Geschäftsführer der Filmpark Babelsberg GmbH, stand uns für ein kurzes Gespräch zur Verfügung.

Frage: Mut ist eine Sache, die zwei Seiten hat. Einerseits ist er notwendig, um in unbekannte Sphären vorzudringen, anderseits kann er auch zu Übermut werden. Wie gehen Sie damit um im Verhältnis zu Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten?

Friedhelm Schatz: Mutlosigkeit ist ein Zeichen für Aufgabe und Resignation. Übermut kann man bremsen oder korrigieren. Also, seid mehr übermütig und somit der Zukunft zugewandt.

Frage: Respekt ist eine Verhaltensweise, die man vom Mitarbeiter erwartet und auf die er auch Anspruch hat. Was ist zu tun, wenn ein Kunde es im Verhältnis zu Ihrem Personal vermissen lässt?

Friedhelm Schatz: Jeder, der seine Arbeit vernünftig macht, verdient Respekt. Wer das nicht respektiert, ist deutlich anzusprechen und wenn nötig, zu verabschieden. Unsere Arbeit ist zu komplex, um sich mit fehlender Kinderstube lange zu befassen.

Frage: Weitsicht ist notwendig, um sich in der schnelllebigen Eventbranche auf neue Entwicklungen einzustellen. Was ist zu tun, um dem Wettbewerb immer eine Nase voraus zu sein?

Friedhelm Schatz: Neueste Technik kann man kaufen oder mieten; Trends im gastronomischen Bereich identifizieren und ausprobieren, Künstler und Programme, trotz zunehmender Halbwertzeit kreativ einsetzen. Erfolg hat aber nur der, der Konzepte Entwickelt, die wie ein Unikat wirken und so auch gemeint sind. Das kann auch mit bewährten Mitteln gelingen.

Frage: Zuverlässigkeit ist ein Wert an sich. Gerade im Verhältnis zum Lieferanten ist sie essentiell wichtig, denn wenn etwas nicht funktioniert, ist der Kunde unzufrieden, und man ist ihn los. Was tun sie hier, um Zuverlässigkeit zu fördern?

Friedhelm Schatz: Es kann immer etwas Unvorhergesehenes passieren. Technik hat ihre Tücken und der Mensch bleibt unvollkommen, so perfekt er sich geben mag. Vertrauen schafft Vertrauen und Reaktion bleibt dem Einzelfall vorbehalten.

Frage: Gelegentlich heißt es, Werte seien Luxus und das Streben, ein ordentlicher Kaufmann zu sein, halte den Realitäten nicht stand, was ist zu tun, um diesen Tendenzen Einhalt zu gebieten?

Friedhelm Schatz: Wie soll denn die Arbeit, die Aufgabe gelingen, wenn man sich nicht an Werten oder Standards orientiert und den Spielraum für individuelle Qualitäten entdeckt und sich erarbeitet? Darauf muss man hinarbeiten, das muss man einfordern.


Ein Interview von Philipp Maas.

Mehr Informationen zu unserem #WertePionier, dem Filmpark Babelsberg hier.

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Fünf Fragen an Helena Videtic – ein Gespräch mit der Managerin des Switzerland Convention & Incentive Bureau #WertePionier

Congresse und Meetings haben in der Schweiz eine lange, erfolgreiche Geschichte und das Switzerland Convention & Incentive Bureau (SCIB) ist ein maßgeblicher Teil davon. Als Non-Profit-Organisation unter dem Dach von Schweiz Tourismus unterstützt SCIB seit 1964 erfolgreich Veranstaltungs- und Incentiveorganisatoren aus Firmen, Verbänden, Agenturen bei der Analyse, Planung und Organisation von Anlässen und bei der Kandidatur für internationale Kongressen. SCIB verfügt über die richtigen Kontakte und besitzt die nötige Portion Leidenschaft, um individuelle Lösungen für außergewöhnliche Veranstaltungen zu finden. SCIB ist weltweit in verschiedenen Märkten präsent. Die Unterstützung deutscher und österreichischer Planer erfolgt aus Frankfurt am Main. Helena Videtic, Managerin Germany & Austria, stand uns zu einem Gespräch über den Wertekodex zur Verfügung.

Frage: Wie Sie sagten, haben Sie einen Pool von zehn Ländern geschaffen, in dem Sie  vertrauensvoll zusammenarbeiten, wo man für Conventions und Incentives steht. Vertrauensvoll heißt nicht, dass man den Wettbewerb ausschaltet. Sie sehen das auch als Beispiel für einen ehrlichen Umgang miteinander. Könnte das auch  Anregung für andere sein? 

Helena Videtic: Auf jeden Fall, es heißt ja im Volksmund nicht umsonst: „Konkurrenz belebt das  Geschäft“. Unter dem Namen Destinations Circle haben sich Vertreter wichtiger Event-Destinationen aus Europa, Südamerika, Asien, Afrika und dem Mittleren  Osten in Deutschland zusammengeschlossen, um gemeinsam die vielfältigen Möglichkeiten und Vorteile der direkten Zusammenarbeit mit Convention Bureaus  bzw. Tourist Boards (sog. NTOs) herauszustellen. Dies ist auch die Botschaft an  unsere Kunden. In der doch sehr überschaubaren MICE Welt Deutschland treffen wir  uns zum regelmässigen Austausch, 1x Jahr führen wir gemeinsam ein Sommerfest  durch und laden wichtige Marktplayer und Kunden dazu ein. Dies für mich ein  gelungenes Beispiel, dass man als Konkurrenten auch miteinander arbeiten kann.

Frage: Ein wichtiger Aspekt des Wertekodex ist Mut. Wäre es Ihnen möglich kurz zu schildern, wie Sie das in Bezug auf ihre Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter sehen? 

Helena Videtic: Mut bedeutet für mich, seine eigene Komfortzone zu verlassen, neues  auszuprobieren und sich auch mal auf eine unsichere Situationen einzulassen. Schweiz Tourismus nimmt sich diesen Aspekt besonders in einer touristischen Kommunikation zu Herzen. Hier wird gerne überraschend, erfrischend und eben mutig kommuniziert. Immer mit einem kleinen Augenzwinkern: ein Beispiel https://www.youtube.com/watch?v=2AApP13LGcE  Auch im Leitbild und in der Vision hat der Wert „Mut“ einen ganz besonderen Stellenwert.

Frage: Zuverlässigkeit ist schon einmal etwas, was den Schweizern grundsätzlich  nachgesagt wird. Gerade bei Veranstaltungen mit sehr vielen Teilnehmern ist das etwas, worauf es ankommt, wenn es gelingen soll. Was sind für Vorkehrungen zu treffen, dass dies immer gelingt? 

Helena Videtic: Glücklicherweise ist das Thema „Zuverlässigkeit“ in der Tat eine Tugend der  Schweiz und Schweizer. Für mich hängt dies einerseits ganz klar vom Briefing des Auftragsgebers und dem Zuhören & Verständnis des Dienstleisters ab. Es ist unumgänglich, dass eine gemeinsame Sprache (im übertragenen Sinne) gesprochen wird. Vertrauen von beiden Seiten! Letzten Endes kann man  „Zuverlässigkeit“ aber nicht lernen, das ist eine Eigenschaft, die man (auch ein Unternehmen) hat und lebt oder eben nicht und die m.E. nach der Grundstein einer jeder Zusammenarbeit ist.

Frage: Sie veranstalten ja nicht selbst, sondern stellen den Kontakt her. Im Wertekodex ist von Weitsicht die Rede. Stellt das besondere Herausforderungen an Ihr Unternehmen? 

Helena Videtic: Wir machen als Schweiz Tourismus natürlich auch selber Veranstaltungen, z.B. für unsere Kunden oder auch für Pressevertreter. Grundsätzlich: „Weitsicht“ bedeutet für mich, mögliche Risiken oder Probleme bereits im Vorfeld zu identifizieren und aus dem Weg zu räumen, damit solche Probleme gar nicht  erst entstehen, hier kommt dann das klassische kaufmännische „Risk Management“ zum Tragen. In Hinblick auf unsere Tätigkeit mit Kunden aus Deutschland und Leistungsträger in den Destinationen geht mit dem Begriff „Weitsicht“ für mich ganz klar das Thema Vertrauen und Ehrlichkeit Hand in Hand. Dies stellt alle Stakeholder vor die gleichen Herausforderungen: ein Leistungsträger (z.B. eine Location oder ein  Hotel) kann keine Gedanken lesen, ein detailiertes Briefing und natürlich ehrliche und offene Worte ist immer unabdingbar.

Frage: Gelegentlich heißt es, Werte seien Luxus und das Streben, eine ordentliche Kauffrau zu sein, halte den Realitäten nicht stand, was ist zu tun, um diesen Tendenzen Einhalt zu gebieten? 

Helena Videtic: Für mich sind Werte im Business kein Luxus, sondern eine Selbstverständlichkeit. Mir ist bewusst, dass man mit einer solchen Einstellung durchaus auch auf die Nase fallen kann und auch wird.  Aber für mich ist auch ganz klar, dass ich keine Geschäftsbeziehung aufrecht erhalten möchte, die nicht auf Werten wie Vertrauen, Ehrlichkeit und Loyalität aufgebaut ist. Hier kommt das Stichwort „Nachhaltigkeit“ wieder auf. Die kulturellen Werte-Unterschiede sind teilweise wirklich frappierend, auch in unserer Branche: während sich Veranstaltungsplaner und Branchenteilnehmer in Deutschland und Europa ganz oft mit dem Thema „No Shows“ auseinandersetzen müssen, bemerken wir gleichzeitig, dass dies in den asiatischen Märkten so gut wie gar nicht vorkommt und vor allem gar kein „daily“ Thema ist. Daher komme ich zum Schluss: ein Wertekodex ist auf jeden Fall eine feine Sache, denn Leitplanken helfen, nicht von der Spur abzukommen.

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Fünf Fragen an Alexander R. Petsch – ein Gespräch mit dem Chef von børding Messe #WertePionier

børding messe ist Veranstalter etablierter Fachmessen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Aufgrund der langjährigen Messeerfahrung in verschiedenen Bereichen wie u.a. Personalwesen, Online-Marketing, Arbeitssicherheit, MICE und Business Travel können Besucher und Aussteller auf einen engagierten und professionellen Messeveranstalter zählen. Als reine Fachmessen konzentrieren sich Messen von børding auf das Wesentliche: Fachbesucher mit Entscheidungs-kompetenz treffen auf erstklassige Aussteller, erleben neueste Branchentrends und nehmen hochaktuelles Fachwissen mit. Alexander R. Petsch, Chef der børding messe GmbH & Co. KG  in Mannheim stand uns für ein Gespräch zur Verfügung.

Frage:  Werte im Blick zu halten in einer Zeit, in der postfaktisch Mode geworden ist, ist sicher nicht ganz einfach, aber Sie haben ein Unternehmen, das sehr kundenorientiert ist. Ehrlichkeit steht an der Spitze der Wertekodexpyramide. Denken Sie, dass dies Zufall ist?

Alexander R. Petsch: Nein, das ist kein Zufall. Ehrlichkeit und Verlässlichkeit sind die Grundlagen für einen nachhaltigen Geschäftserfolg. „Ehrlich währt am längsten“ – so wurde es mir schon von klein auf vermittelt. Und außerdem: „Wer sich nicht alles merken kann, bleibt besser ehrlich.“

Frage: Sie haben ein Unternehmen das aktuell bis zu 20 Fachmessen im Jahr organisiert, und sie stehen im Wettbewerb mit anderen Unternehmen. Sie sind erfolgreich, weil sie es etwas anders machen als der Wettbewerb, auch hier spielen die Dinge eine gewisse Rolle die im Wertekodex verankert sind. Können sie uns sagen, was das Wichtigste ist?

Alexander R. Petsch: Loyalität und Ehrlichkeit gegenüber Kunden und Partnern. Wer auch in schwierigen Zeiten zusammenhält, kann langfristig auf eine gesunde unternehmerische Bilanz blicken. Durch die Treue und Zuverlässigkeit gegenüber Geschäftspartner entstehen zudem oft neue Ideen. Das gilt ebenso für die eigenen Mitarbeiter. børding setzt sich aus einem Mix von vielen jungen Talenten und erfahrenen Kollegen zusammen. Diese Mischung spiegelt sich in den Werten wieder, die jeder Mitarbeitende in der ihm eigenen Ausprägung einbringt. Sei es jetzt der Mut, in einer brenzligen Situation eine Entscheidung zu treffen oder die Ehrlichkeit, zu gemachten Fehlern zu stehen.

Frage: Bei aller Liebe zur Kunst, ist sie doch mit Mühen verbunden. Was denken Sie, welches der Postulate: Ehrlichkeit, Loyalität, Mut, Respekt, Weitsicht, Verantwortung und Zuverlässigkeit und das gegenüber Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten und dem Wettbewerb ist in ihrem Geschäft am schwierigsten durchzuhalten?

Alexander R. Petsch: Wenn ich mich entscheiden muss: Weitsicht. Auch wir als Messeveranstalter, der viel mit der Zukunft verschiedener Branchen zu tun hat, können nicht um die nächste Ecke schauen. Disruptive Geschäftsmodelle werfen mit rasanter Geschwindigkeit alte Grundsätze über den Haufen. Aber je digitaler die Welt wird, desto mehr braucht eine Branche auch ein Leuchtturm oder ein Lagerfeuer, an dem man sich persönlich trifft. Hier entstehen Geschäftsideen und Kontakte, die tausende virtuelle „Freunde“ nur schwer übertreffen können.

Frage: Werte sind ja etwas Besonderes in unserer jetzigen Zeit, die von Egoismen geprägt ist. Wie sind Sie eigentlich mit dem Themenkreis in Berührung gekommen?

Alexander R. Petsch: Vor etwa 15 Jahren, bei den ersten Workshops meiner Führungskräfte. Diese werden noch heute durchgeführt. Andererseits finden wir die öffentliche Plattform der WerteFoundation sehr ansprechend, die handfest und nachvollziehbar die Schlüsselwerte aufzeigt. Der damit verbundene Leitfaden und die Handlungsempfehlungen helfen dabei, die Werte zu verankern. Wenn ich weiß, wo ich herkomme, wo ich hin will und wofür ich stehe gibt mir das die nötige Orientierung, um die eigene Zukunft selbstbestimmt zu gestalten.

Frage:  Gelegentlich heißt es, Werte seien Luxus und das Streben, eine ordentliche Kaufmann zu sein, halte den Realitäten nicht stand, was ist zu tun, um diesen Tendenzen Einhalt zu gebieten?

Alexander R. Petsch: In Ruhe abwarten und zu seinen Werten stehen. Die Zeit wird das Ergebnis deutlich machen, alles andere ist Strohfeuer. Es ist immer einfach das Tafelsilber für einen kurzfristigen Erfolg zu „verfrühstücken.“

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Fünf Fragen an Florian Schröder – ein Gespräch mit dem Chef des Beach Hamburg #WertePionier

Ein Strand mitten in der Stadt? Ja, so etwas gibt es in Hamburg. Die Idee wurde vor etwa zehn Jahren aus Berlin importiert und Florian Schröder setzte sie in der Hansestadt um, eine Eventlocation, wie sie selten zu finden ist. Die Illusion, am Strand zu sein, wird perfekt inszeniert, und da der Sand vom Fußboden her auf  Wohlfühltemperatur gehalten wird, ist auch im Winter für Karibikfeeling gesorgt. Dem Vergnügen steht nichts im Weg und auch dem Sport nicht, denn es gibt ausreichend Beachvolleyplätzte für jedes Leistungsspektrum. Florian Schröder stand uns für ein Gespräch zum Wertekatalog zur Verfügung.

Frage: Werte sind in einer Zeit, in der oft rücksichtslos vorgegangen wird, auch  im eigenen Interesse wichtig. Von den sieben im Kodex gelisteten steht  Ehrlichkeit an der Spitze und die anderen bedingen mehr oder weniger einander,  was hat sie daran fasziniert, dass Sie sich so eindeutig dazu bekennen?

Florian Schröder: Ich musste mich zu dem Thema Werte 2.0 nicht erst durchringen bzw. konnte und  wollte mich gleich dazu bekennen, da sich die Inhalte sehr mit meiner Einstellung und Haltung zum Leben decken und wir die benannten Werte auch in  unserem Unternehmen vorher schon gelebt haben und als Basis eines weitsichtigen oder nachhaltigen Handelns sehen. So vermeintlich einfache Sprüche wie „Du kriegst im Leben was Du gibst” oder „Man sieht sich im Leben immer zweimal” sind für mich und unser Team am Strand dann eben doch mehr als nur Sprüche und bieten uns so gute Richtungsweiser für unser  Handeln. Die Werte der Werte 2.0 Kultur, die an sich ja gar nicht neu sind, sind  dann eher zwangsläufige Resultate daraus.

Frage: Nehmen wir den Aspekt Loyalität einmal heraus. Gegenüber den Mitarbeitern   könnte es schon mal zum Konflikt kommen, wenn nicht zu beeinflussende   Ereignisse, wie z.B. Krankheit der Person oder eines ihr Nahestehenden sich   mit betrieblichen Erfordernissen nicht in Einklang bringen lassen. Wie gehen  Sie dann vor?

Florian Schröder: Natürlich sind auch wir nicht davor gefeit, uns zu ärgern, wenn jemand zu einem ungünstigen Moment ausfällt, aber das sind – wenn es überhaupt vorkommt – nur kurze  Momente. Da hilft uns, sich in die Lage des anderen zu versetzen und schon ist der Ärger vom Tisch. Davon abgesehen kümmern wir uns in unserem Unternehmen viel um die Mitarbeiter bzw. kümmern die sich untereinander auch umeinander, so dass  wir das Glück haben in einem sehr loyalen Team zu arbeiten, das zum einen Ausfälle super abpuffert und in dem zum anderen die Gesundheit des einzelnen wichtiger ist als vielleicht mal für jemanden ’ne Stunde länger zu arbeiten oder  ’ne Aufgabe mit zu übernehmen. Klar ist aber in jedem Fall, dass wir zu dem  Kollegen bzw. Mitarbeiter stehen und Ihn oder Sie in schwierigen Phasen  unterstützen.

Frage: Wenn wir schon bei der Loyalität sind. Sie ist manchmal schwierig  durchzuhalten, wenn der Partner (Lieferant) das nötige Equipment nicht liefern  kann, für ein Event, das zu veranstalten ist. Was ist  zu tun?

Florian Schröder: Hier hatten wir zum Beispiel das Erlebnis, dass unser Technikpartner aus unseren Anfängen nicht mit uns mitgewachsen ist und immer mehr Aufträge nicht umsetzen  konnte. in solchen Fällen gehen wir offen in die Kommunikation mit dem Partner /  Lieferanten, so dass dieser zumindest weiß, wenn wir uns gezwungen sehen  Aufträge anderweitig zu vergeben und schauen gleichzeitig, an welcher Stelle man  den vertrauten Partner / Lieferanten vielleicht trotzdem noch beauftragen kann.

Frage: Sie haben das Unternehmen in Hamburg von der ersten Stunde an begleitet. Und  wenn man rund über das Jahr so viele Besucher hat und zwar der verschiedensten  Art, von der Kaffeetafel über den Kindergeburtstag, Hochleistungssportlern bis zum Großereignis mit mehr als 1 500 Gästen, haben sie viele zufriedene, aber  auch gelegentlich unzufriedene Kundschaft. Wie gehen Sie damit um?

Florian Schröder: Zu der Frage fallen mir verschiedene Aspekte ein. Zum einen ist uns die  Kundenzufriedenheit wichtiger als der Gewinn, was sich für mich aus der Idee  ergibt, nachhaltig und weitsichtig zu Handeln. Das heisst natürlich nicht, dass  wir hier alles verschenken um die Kunden glücklich zu machen. Das schaffen wir zum Glück in 99% aller Fälle mit unserer Leistung. Das sage ich um die Einstellung bei Beschwerden zu zeigen. Beschwerden und Rückmeldungen werden  ernst genommen und ganz bewusst lassen wir denjenigen im ersten Schritt hören und spüren, dass wir Ihn verstanden haben und ernst nehmen. Im zweiten Schritt geht es dann darum das Problem zu lösen, was dann aber in der  Regel schon in einem sehr angenehmen Umfeld passieren kann. Das betrifft gar  nicht nur Kunden, sondern zum Beispiel auch unsere Nachbarn, mit denen wir kein Geld verdienen, die wir aber gelegentlich durch unseren Betrieb stören. Hier haben wir nach Gesprächen zum Beispiel in besonders leise Hubwägen investiert  oder haben unsere Tore gedämpft, so dass die beim Schließen nicht knallen und so weiter…

Frage: Gelegentlich heißt es, Werte seien Luxus und das Streben, ein ordentlicher   Kaufmann zu sein, halte den Realitäten nicht stand, was ist zu tun, um diesen  Tendenzen Einhalt zu gebieten?

Florian Schröder: Das ist eine schwierige Frage, die sich – glaube ich – weder leicht noch schnell  beantworten bzw. lösen lässt. Ich würde mir wünschen, dass der WerteKodex 2.0  erfolgreich wird und so über die Jahre eine Sogwirkung entsteht und Menschen und Firmen sehen,  dass korrektes Verhalten sich auf lange Sicht auszahlt, mal davon abgesehen, dass es auch Spaß macht. Im zwischenmenschlichen Bereich gestaltet man ja sein Umfeld und formt seine Mitmenschen und wird von Ihnen geformt. Hier kann man – denke ich – von innen nach außen wirken. Da hilft es und wirkt es, mit gutem Beispiel voran zu gehen und  auch zu zeigen wie gut es einem damit geht. Bei Firmen und Fremden ist der Weg denke ich genau anders rum von außen nach innen. Hier können über den Erfolg von Programmen wie der Werte 2.0 Kodex Firmen ins Boot geholt werden, wo dann das Handeln der Firma nach innen auf die  Menschen in den Unternehmen wirkt.

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Fünf Fragen an Thomas Loris – ein Gespräch mit dem Chef der Blitzboxx #WertePionier

Die Blitzboxx bietet seit 2013 Konzepte für Fotoboxen im MICE Markt. Besonderer  Wert wird dabei auf eine stilvolle und qualitativ hochwertige Einbettung in das  Veranstaltungskonzept gelegt. Neben den Standorten im Westerwald und in Hamburg  wird es in 2017 weitere in Deutschland und der Schweiz geben.

Die Idee für die Fotoboxen entstand 2013 in Berlin. Auf dem täglichen Weg ins Büro entlang der Warschauer Straße wurden die öffentlichen Fotoautomaten zu jeder Tageszeit regelrecht belagert. Thomas Loris, Chef des Unternehmens, stand uns zu einem Gespräch über den Wertekodex zur Verfügung.

Frage: Werte im Blick zu halten in einer Zeit, in der postfaktisch Mode geworden ist, ist sicher nicht ganz einfach, aber Sie haben ein Unternehmen, das sich aus sehr kleinen Anfängen heraus entwickelt hat. Schon am Anfang haben sie gespürt, dass Ehrlichkeit sich auszahlt, können Sie mal kurz schildern, wie das war?

Thomas Loris: Die Idee der Blitzboxx haben wir neben unserem Hauptgeschäft, der Filmproduktion, zunächst langsam nebenbei entwickelt. Durch eine Event-Agentur, mit der wir seit vielen Jahren im Filmbereich zusammenarbeiten, bekamen wir sehr kurzfristig die Möglichkeit unsere Blitzboxx auf ihrem Messestand auf der ITB zu präsentieren. Da viele Dinge noch unfertig waren, mussten wir einiges improvisieren. So waren beispielsweise unsere Accessoires von Hand ausgeschnitten und beschrieben. Wir saßen abends zu Hause und haben fast 1.000 Holzwäscheklammern und Flyer mit unserem Logo gestempelt. Wir hatten viele Ideen, von denen wir zu diesem Zeitpunkt nur auf der Messe vor Ort erzählen konnten. Bei den Messebesuchern waren es genau diese improvisierten Dinge, die unsere Aktion sympathisch machten und die gut ankamen. Viele Interessenten glaubten an uns und gaben uns in diesem frühen Stadium die Möglichkeit, unsere Ideen umzusetzen und das Konzept weiterzuentwickeln. Daraus haben sich viele langjährige und enge Partnerschaften entwickelt, die bis heute andauern.

Frage: Sie haben die Fotobox zwar nicht erfunden, aber doch in gewisser Weise ein Allleinstellungsmerkmal, weil sie es etwas anders machen als der Wettbewerb, auch hier spielen die Dinge eine gewisse Rolle die im Wertekodex verankert sind. Können sie uns sagen, was das ist?

Thomas Loris: Bei der Entwicklung der Blitzboxx war es uns von Anfang an wichtig, dass wir uns ausschließlich über Qualität definieren. Das beginnt beim Design der Box, über die Auswahl der Accessoires, das Auftreten gegenüber den Gästen bis hin zur gesamten Kommunikation mit Kunden und Mitarbeitern.

Wir pflegen eine enge Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten, die teilweise aus ganz anderen Branchen kommen und für die technische Umsetzung unserer Ideen oft völlig neue Sichtweisen und Lösungen ins Spiel bringen.

Um diese Unterschiede gegenüber neuen Kunden zu kommunizieren nutzen wir weniger Onlinemarketingmaßnahmen. Wir betreiben einen relativ großen zeitlichen und finanziellen Aufwand, um sie auf Messen und kleineren Promotion-Veranstaltungen erlebbar zu machen. In persönlichen Gesprächen können wir dabei unsere Kunden kennenlernen und auch umgekehrt durch unsere Persönlichkeit überzeugen. Auf diese Weise ist sehr schnell einzuschätzen, ob die gemeinsamen Ziele und Werte für eine Zusammenarbeit passen.

Für uns zahlt sich dieses Engagement aus, da fast neunzig Prozent unserer Kunden die Blitzboxx vorher auf einer Veranstaltung erleben durften oder durch Weiterempfehlung auf uns aufmerksam wurden.

Frage: Bei aller Liebe zur Kunst, ist sie doch mit Mühen verbunden. Was denken Sie, welches der Postulate: Ehrlichkeit, Loyalität, Mut, Respekt, Weitsicht, Verantwortung und Zuverlässigkeit und das gegenüber Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten und dem Wettbewerb ist in ihrem Geschäft am schwierigsten durchzuhalten?

Thomas Loris: Letztendlich funktioniert es auf Dauer nur durch das enge Zusammenspiel aller Werte. Für mich persönlich würde ich dem Mut eine besondere Bedeutung geben. Mut, um Entscheidungen zu treffen, Dinge zu hinterfragen, auch und vor allem wenn sie unangenehm sind. Mut, um auch in finanziell schwierigen Momenten weiterzumachen, um der Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern und Kunden gerecht zu werden. Mut, sich ständig weiterzuentwickeln und neue Ideen auszuprobieren, auch wenn sie noch Zeit brauchen um sich durchzusetzen oder letztendlich gar scheitern. Im Hinblick auf Wettbewerber fällt es manchmal schwer, den Mut zu haben, um aufeinander zuzugehen. Wir versuchen dadurch Synergien zu schaffen und empfehlen Konzepte auch weiter, von denen wir überzeugt sind, falls dies für eine Kundenanfrage besser passen sollte.

Frage: Die Expansion ihres Unternehmens ist nicht ganz einfach, weil alles authentisch sein soll, was mit der Blitzboxx geschieht. Und da sie es deutschland- am liebsten europaweit betreiben wollen, müssen sie häufig multiplizieren. Wie geht das?

Thomas Loris: Die Blitzboxx ist als Ein-Mann-Projekt gestartet. Vor allem im vergangen Jahr, nach unserer Teilnahme an der Captain Mice Future Tour,  haben wir eine Entwicklung durchlaufen, die eine Expansion von Material, Standorten und Mitarbeitern erforderte. Weitaus schwieriger als die Zusammenstellung neuer Pakete, die zunächst einen überwiegend finanziellen Aufwand bedeuteten, war für mich, loslassen zu können. Dinge abzugeben und trotzdem sicherzustellen, dass die mir wichtigen Werte bei der Durchführung unserer Veranstaltungen beachtet werden.

Der Anspruch bei der Suche nach Mitarbeitern gestaltete sich nicht leicht und wir haben uns vor allem auf Empfehlungen von Menschen verlassen, mit denen wir schon über längere Zeit eng verbunden sind. Das Wichtigste, was wir dabei gelernt haben, ist ganz simpel: Kommunikation. Wenn irgendwo Probleme auftraten, lag es fast ausschließlich an nicht eindeutig kommunizierten Vorgaben oder Erwartungen. Dinge, die für mich klar waren aber andere Mitarbeiter nicht wissen konnten. Daraus haben wir gelernt und uns selbst etwas gebremst, um zunächst eine Art „Handbuch“ zu entwickeln, damit für alle zukünftigen Expansionen eine klare Grundlage vorliegt und bei jeder Veranstaltung unsere Werte transportiert werden.

Frage: Gelegentlich heißt es, Werte seien Luxus und das Streben, ein ordentlicher Kaufmann zu sein, halte den Realitäten nicht stand, was ist zu tun, um diesen Tendenzen Einhalt zu gebieten?

Thomas Loris: Wir haben dazu bisher sehr positive Erfahrungen gemacht. Bei all unseren Kunden konnten wir uns auf eine sehr enge, professionelle und werteorientierte Zusammenarbeit verlassen.

Um dies weiter, auch branchenübergreifend, zu fördern, ist der Wertekodex für uns ein sehr richtiger und wichtiger Schritt, den wir von Beginn an unterstützen möchten. Die Handlungsempfehlungen stellen für uns klare Richtlinien für einen gemeinsamen verlässlichen Umgang dar, die wir bieten, aber auch von allen Akteuren erwarten. Um dies klar zu kommunizieren, kann es z. B. notwendig sein, bestimmte Anfragen abzulehnen oder die Zusammenarbeit mit Partnern ständig neu zu bewerten.

Wir wünschen uns, dass sich der Wertekodex etabliert und sich möglichst viele Dienstleister anschließen und ihn umsetzen. Er erleichtert eine vertrauensvolle Zusammenarbeit ungemein.

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