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Kein Plan B beim Werte Event

(Appel/WF) Am 14. Juni 2017 wurde das Werte Event erstmalig im Kongresszentrum der Westfalenhallen Dortmund veranstaltet und sorgte im Vorfeld mit dem diesjährigen Motto „Werte Gambling“ bereits für Diskussionen. Die Veranstalter Estrel Berlin, Hotel Schloss Montabaur und Hauptinitiator Bernd Fritzges bewiesen jedoch eindrucksvoll, wie Poker & Co für einen roten Faden im Werte-Kontext sorgten. Die Teilnehmer, überwiegend aus der Veranstaltungswirtschaft, erlebten ein intensives Kongressprogramm und hatten viel Raum für den persönlichen Austausch.

Es herrscht eine entspannte Atmosphäre beim Check-in, was eventuell damit zusammenhängt, dass diese Benefizveranstaltung auch in diesem Jahr wieder vor einem Feiertag stattfindet und somit fast exklusiv im Kongresszentrum der Westfalenhallen Platz findet. „Wir freuen uns sehr, das Werte-Event dieses Jahr ausrichten zu dürfen“, wird Henrik Bollmann, Projektbereichsleiter Messe Westfalenhallen Dortmund GmbH, stellvertretend für den Veranstaltungsort später auf der Bühne zum Besten geben und mit der überzeugenden Leistung glänzen. Bis dahin weist Annegret Steglich, ehrenamtliche Projektleiterin der Werte Foundation, einen freundlich daraufhin, dass es heute noch einen Charity-Pokertisch geben wird. Auch in diesem Jahr wird der Erlös vollständig an die Stiftung RTL – Wir helfen Kindern e. V. gespendet. Seit 2010 haben die Veranstalter bereits fast 60.000 Euro dem Spendenmarathon durch das Format zuführen können.

Als man das Plenum betritt, erwartet einen ein frisches Setup mit Lounge Sesseln, Konferenzstühlen, Stehtischen und eine in den Raum gerückte Bühne, auf der ein Pokertisch steht. Nachdem alle im Plenum ihren Platz eingenommen haben, startet auf der Leinwand ein fetziger Einspieler, der einen etwas an den Spielfilm Ocean’s Eleven erinnert. Da verwundert es auch nicht, dass die Moderatorin Sabine Altena in einem flippigen Outfit auf die Bühne springt und für die Begrüßung den Gastgeber, die Projektleiterin, die Veranstalter und Günter Mainka, Geschäftsführer Twilight Events, locker an den Pokertisch zum Gespräch bittet.

Moderatorin Sabine Altena zusammen mit WerteEvent Projektleiterin Annegret Steglich

Die Zuhörer im Saal erfahren, warum Ralf Kleinheinrich als Hoteldirektor Schloss Montabaur weiterhin zu den Veranstaltern zählt, obwohl er den Staffelstab als Veranstaltungsort der letzten sechs Jahre an die Westfalenhallen abgegeben hat. „Wir sind nach wie vor vom Thema überzeugt, unterstützen dieses Event und wollten dem Format auch mit einem neuen Standort die Chance auf Weiterentwicklung geben“, so Kleinheinrich. Zuvor hatte Initiator Bernd Fritzges mit einem „All In“ die Pokerterminologie aufgegriffen, um deutlich zu machen, dass er heute das Experiment eingehen wird, Gambling und Werte zu verbinden. Theresa Pritzke berichtet als Stellvertreterin des Estrel Berlin, wie in ihrem Haus auf Basis des zum letztjährigen Event vorgestellten Werte-Kodex ein Leitbild gemeinsam mit dem Hotel-Team entwickelt wurde.Am Ende dieser Gesprächsrunde bleibt nur noch Günter Mainka an der Seite der quirligen Moderatorin auf der Bühne und berichtet, dass er für seine Premiere bei dieser Veranstaltung eine ganz besondere Aufgabe übernommen hat. Als eine Art rasender Reporter war er am Vortag in Dortmund unterwegs und hatte unterschiedliche Unternehmen spontan zu ihrer Einstellung zum Thema Werte, Ethik und Moral interviewt. Im Laufe der Veranstaltung werden vier Interviews eingeblendet, die eine illustre Bannbreite von unterschiedlichen Unternehmen und Statements widerspiegeln. Dr. Winfried Materna, Firmengründer und Beiratsmitglied Materna GmbH, Edzard Bennmann, Leiter Unternehmenskommunikation der Signal Iduna Gruppe, Hans Herrmann und Felix Krämer, Inhaber der Kornbrennerei Krämer und Sir Hannes Smith, Bandleader „The Idiots“ und „Honigdieb“, waren seine Gesprächspartner.
„Unterschiedlicher und besser hätte die Auswahl nicht sein können“, freut sich Mainka, dem man anmerkt, dass seine Aufgabe im Zuge der Veranstaltung ihm sehr viel Freude bereitet. So entpuppen sich Altena und Mainka im Laufe des Tages zu einem starken Moderationsduo, die man später noch am Pokertisch antreffen wird.

Keine Trophäen, sondern Mahnmale

Poker-Experte Stephan Kalhamer mit seiner größten Trophäe

Es startet das Rednerprogramm. Die Keynote hält Stephan Kalhamer, der als Poker-Weltmeister, Unternehmensberater, Bestsellerautor und Diplom-Mathematiker angekündigt wird. Fast überheblich stellt der Regensburger seine größten Pokale auf den Pokertisch und sagt: „Das sind keine Trophäen, das sind Mahnmale!“ Denn Anerkennungen aus der Vergangenheit bringen keinen Vorteil für Entscheidungen in der Gegenwart und bürgen die Gefahr in sich, unachtsam zu werden. Oftmals fallen provozierende Aussagen wie „ich gehe an den Pokertisch und investiere in ein feindliches Umfeld“, so dass man sich im ersten Moment fragt, was das mit Werten zu tun haben soll. Schnell wird jedoch deutlich, dass seine Vorgehensweise am Spieltisch als Mathematiker sehr viele Parallelen zum wertvollen Umgang im geschäftlichen Alltag hat. Kalhamer kritisiert sehr deutlich die rein ergebnisorientierte Haltung unserer Gesellschaft und zeigt auf, dass wir uns mehr auf die Entscheidungsqualität besinnen sollten. „Arbeitet nur mit Plan A, wer noch einen Plan B besitzt, signalisiert seinem Umfeld, dass Plan A schlecht ist“, so der Poker-Experte. Menschen, die die Zeit rückwärts lesen, gibt es viele, jedoch im Hier und Jetzt die richtigen Entscheidungen zu treffen, darauf komme es an.
Diese Steilvorlage nutzt nach der ersten Netzwerkpause auch gleich der nachfolgende Redner und Experte für emotionale Intelligenz Markus Hornung. Anhand aktuellster neurowissenschaftlicher Untersuchungen zeigt Hornung auf, wie Bauchgefühl und Intuition auf Basis von Erfahrungen greifen und schlägt gekonnt die Brücken zu Kalhamers Vortrag. Nur wenn uns die Erfahrungen fehlen, kann uns das Bauchgefühl einen Streich spielen ist u. a. eine Lektion aus dem Vortrag des Münchners.

Im Anschluss teilt sich die Gruppe im Saal in die anliegenden Vortragsräume. Man folgt entweder Gertrud Hansel, der Unternehmensberaterin und Trainerin der Schule für Unternehmer oder Doreen Biskup, die in der MICE-Branche als Dozentin und stellvertretende Vorstandsvorsitzende des VDVO bekannt ist.
Hansel analysiert die drei vorhandenen Stimmen in unseren Köpfen: der Unternehmer, der Manager und die Fachkraft. Alle drei arbeiten in uns und sind in jedem Unternehmen zu finden. Welche Stärken die einzelnen Charaktere haben und wie sie in Einklang gebracht, eine wertvolle und nachhaltige Unternehmensstruktur fördern, gibt die sympathische Augsburgerin mit Hilfe der drei Freunde von Helme Heine in ihrem mit Beispielen angereicherten Vortrag weiter.
Unter dem Titel „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt – Warum BarCamp, World Café und Co. mehr Mut als Verstand erfordern“ dürfen drei Gruppen in dem Workshop von Doreen Biskup die größten Herausforderungen für die Durchführung partizipativer Veranstaltungsformate mit Lego nachbauen. Wie diese Problemstellungen gelöst werden, wird anschließend gemeinsam erarbeitet – interaktiv, versteht sich.
Es folgt die nächste Match-Making Pause, die bei den Teilnehmern der Werte-Gemeinschaft immer mehr Gefallen findet. Mehr als 250 Termine wurden so bereits im Vorfeld der Veranstaltung vereinbart und sorgen für zwanglose, persönliche und koordinierte Gespräche im 20-Minuten-Takt.

Das Coming Out

Prof. Dr. Hans Rück voller Vorfreude, auf das, was gleich kommen wird…

Es ist 17 Uhr und die Teilnehmer finden sich letztmalig im Plenum zusammen. Der Pokertisch auf der Bühne musste inzwischen Saxophone, Keyboard, Schlagzeug und Kontrabass weichen und Sabine Altena moderiert den letzten Redner des Tages an. Prof. Dr. Hans Rück, Dekan der Hochschule Worms begrüßt die gespannten Zuhörer im Saal und verweist darauf, dass Bernd Fritzges ihn am Vorabend spaßig fragte, ob der heutige Vortrag sein Coming Out als leidenschaftlicher Musiker sei. Denn in der Tat ist Rück vielen Fachleuten als Event-Experte im wissenschaftlichen Zusammenhang bekannt, als aktiver Jazzer hingegen nur wenigen.
In seinem Vortrag „Das Jazz-Prinzip: Improvisation als Erfolgsfaktor im Management“ erläutert er, wie das Zusammenspiel in einer Jazzband auf Basis von Bauchgefühl bestens funktioniert. Und spätestens als der Professor seine Mitstreiter auf die Bühne bittet, äußerst charmant den beginnenden Einsatz der einzelnen Instrumente fachlich moderiert und selbst zum Solo am Saxophone einsteigt, wird klar: Heute gibt es Jubelstürme für den Event-Fachmann und die Anzahl der Fans der Jazzmusik wird steigen.

Nach diesem begeisternden Auftritt wird es wuselig im Saal. Die Moderatorin bittet Fritzges noch einmal auf die Bühne, der in einer kurzen Ansprache sich auf die Aussage des Poker-Weltmeisters bezieht. „Bei der Modernisierung des Werte Events und dem damit verbundenen Werte Kodex gab es niemals einen Plan B. Wir haben auf Basis der Zusagen zum Werte Kodex nach der letzten Veranstaltung die Budgetierung aufgesetzt und nicht daran gerüttelt. Leider blieb es bei vielen nur bei Lippenbekenntnissen. Das änderte und ändert jedoch nichts, wir machen weiter, es gibt nur Plan A“, so Fritzges. Es scheint zu diesem Zeitpunkt eine emotional positiv geladene Stimmung im Raum zu herrschen, so dass man sich zwangsläufig die Frage stellt, was man tun soll. Und dies wird sicherlich die Herausforderung für Steglich, Fritzges & Co in der Zukunft sein: Klarer kommunizieren, verbindliche Committments zum Werte Kodex einholen und frühzeitig Unterstützer und Partner für dieses Event binden.

Doch wir sind noch nicht am Ende, ein weiteres Video wird eingespielt. Dieses Mal lacht einen Wolfram Kons an, der als Vorstand der „Stiftung RTL – Wir helfen Kindern e.V.“ sowie Gesamtleiter „Charity RTL“ zu uns spricht und sich für die tolle Zusammenarbeit mit den Veranstaltern bedankt, die bereits seit 2010 den RTL Spendenmarathon unterstützen. Er verweist darauf, dass noch einige Plätze am Charity-Pokertisch erworben werden können und sich daraus die Gesamtspendensumme berechnen wird. Am Ende der Veranstaltung wird ein Betrag in Höhe von 4.150 Euro zu Buche stehen, der durch das Engagement der Partner, Redner und Veranstalter zustande kam.

Alle Partner, Redner und Veranstalter vom WerteEvent 2017 mit dem Spendencheck für die Stiftung „RTL – Wir helfen Kindern e. V.“

Show & Charity

Auch am Charity-Pokertisch kann sich Stephan Kalhamer durchsetzen und gewinnt somit ein Wochenende auf der MQ Ranch von Günter Mainka, der leer ausgeht.

Man wird vom Silbersaal im Kongresszentrum in das direkt anliegende Mercure Hotel geleitet. Barbecue, Pokertisch und Cocktailbar sorgen für chillige Atmosphäre im Restaurant und auf der Terrasse. Und während Stephan Kalhamer am Charity-Pokertisch seiner Favoritenrolle gerecht wird, sorgt George Michael alias Lee Garcia aus dem Stars in Concert Ensemble für Las-Vegas Feeling. Bis nach Mitternacht tauscht sich die Werte-Gemeinschaft aus und es wird deutlich: Dieses Event braucht keinen Plan B.
Wer mehr zum Werte Event und dem Werte Kodex erfahren möchte oder sich als Unterstützer dieses Projekts beteiligen möchte, findet weitere Informationen unter www.werte.foundation.

Über Werte Foundation

Aus der Überzeugung heraus, dass in der Veranstaltungsindustrie ein zunehmender Werteverfall festzustellen ist, wurde 2010 ein Veranstaltungsformat ins Leben gerufen, welches Akteure der Branche dazu einlädt, sich mit den Themen Werte, Ethik und Moral auseinanderzusetzen.
Im Kontext dieser Veranstaltung hat sich im Jahr 2015 ein Gremium aus Branchenvertretern gefunden, die sich die Erarbeitung eines Kodex für die Eventbranche im Sinne des ehrbaren Kaufmanns auf Basis von Integrität und Partnerschaft zur Aufgaben gemacht haben. Der 2016 vorgestellte Werte Kodex gibt seitdem in Form von Leitsätzen, Anreize für einen werteorientierten Umgang.
Die Entstehung der Werte Foundation ging auch mit der Umbenennung zu WerteEvent (ehemals Werte 2.0) einher, welches am 14. Juni 2017 erstmalig im Kongresszentrum der Dortmunder Westfalenhallen stattfand, nachdem das Format die letzten Jahre im Hotel Schloss Montabaur durchgeführt wurde.

Text: Werte Foundation c/o Agentur Fritzges
Bilder: ©loris.tv – Thomas Loris

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Fünf Fragen an Markus F. Weidner – ein Gespräch mit dem Gründer der Qnigge Akademie – Freude an Qualität #WertePionier

Markus F. Weidner ist Unternehmer, Autor und inspirierender Vortragsredner. Als Restaurantfachmann hat er Service von der Pike auf gelernt und in seiner internationalen Hotelkarriere als Führungskraft stets gelebt und unter Beweis gestellt. Mit Leidenschaft für Sprache, dem Gespür für Menschen und Organisation baute er ein internationales Schulungsunternehmen auf, das sich zum Marktführer für die Hotellerie entwickelt hat. Heute zählen führende Top-Hotels, Veranstaltungszentren, Kliniken, Banken und Hidden Champions aus  Industrie, Tourismus und Dienstleistung zu seinen Kunden.  Sein Credo: „Servicequalität ist das Ergebnis von Führungsqualität! Führungskräfte müssen in ihrem Selbst- und Rollenverständnis sowohl die Anforderungen ihrer Kunden, wie auch die ihrer Mitarbeiter im Blick haben, und dürfen sich selbst dabei nicht vergessen.“ Er ist Befürworter von Werteorientierung, klaren Regeln im Service, sowie transparenter und wertschätzender Führungskultur. Mit seinen Vorträgen und Büchern „Gut ist nicht genug – Das Qnigge Prinzip oder warum Service klare Regeln braucht“ und „Anerkennung und Wertschätzung – Futter für die Seele und Treibstoff für Erfolg“ gibt der Experte für Führungsqualität und Service wertvolle Impulse für Excellence. Markus F. Weidner stand uns für ein Gespräch zur Verfügung.

 

Frage: Sie haben sich ja in Ihrem Buch „Gut ist nicht gut genug“ mit dem Problem beschäftigt, dass unserer Gesellschaft nicht überleben kann, wenn sie sich nicht den Werten verpflichtet fühlt, insofern ist es ja nicht weiter verwunderlich, dass Sie sich zum Postulat des Wertekodex hingezogen fühlen. Trotzdem erlauben Sie die Frage, wie ist es zum Kontakt zu Bernd Fritzges gekommen?

Markus F. Weidner: Nach 15 Jahren Karriere in der Veranstaltungshotellerie arbeite ich nun seit mehr als 20 Jahren in der Beratung und Weiterbildung für Hotels, Veranstaltungszentren und die MICE-Branche. Bernd Fritzges war zu seiner Zeit bei Intergerma auch im Verband MPI (Meeting Planner Professional) aktiv und über eine gemeinsame Vorstandstätigkeit haben wir uns kennen und schätzen gelernt. Seine Idee, das Thema Werte in einem eigenen Veranstaltungsformat aufzugreifen hat mir von Anbeginn gefallen. So hatten wir auch mein Projekt, den Qnigge® Spendentriathlon, zugunsten von „RTL – Wir helfen Kindern“ in den Jahren 2013-2015 der Werteveranstaltung gewidmet. Ich habe auf der Werte-Bühne öffentlich formuliert, dass ich mich auf den IRONMAN in Frankfurt vorbereite. Mein Versprechen war eine Spende für jeden Trainingskilometer, den ich geschwommen, gelaufen oder Rad gefahren bin. So haben wir am Ende mehr als 15.000 Euro an Spenden für die gute Sache zusammengetragen und dieses Projekt hat uns natürlich auch verbunden. Das weitere Engagement von Bernd Fritzges, auch nach der Zeit von Intergerma, habe ich immer gerne unterstützt, weil wir im privaten, wie im geschäftlichen Umfeld gut beraten sind, Klarheit über unser persönliches und auch geschäftliches Wertegerüst zu haben. Richtig verstanden gibt es Halt, Orientierung und Sicherheit.

Frage: Wenn wir den Wertekodex betrachten ist „Mut“ ein Aspekt, den wir mit Mut angehen sollten. Wenn Sie ihn im Zusammenspiel mit Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten und Mitbewerbern sehen, wo denken Sie ist er am schwierigsten zu verwirklichen?

Markus F. Weidner: Unter Mut verstehe ich die Bereitschaft, sich auf etwas einzulassen, dessen Verlauf und Ende vielleicht noch nicht gewiss ist. Wer heute im Geschäftsleben aktiv ist, der ist ständig Risiken ausgesetzt. Jede Veranstaltung hat ein Risikopotenzial und das gilt es richtig einzuschätzen. Mut ist eine Haltung, etwas Neues zu suchen, Innovation voranzutreiben und auch Scheitern einzukalkulieren, ja sogar in Kauf zu nehmen, um zu lernen. Wer mutig ist, der ist kein kopfloser Draufgänger, im Gegenteil, der Mutige wägt die Chancen gegenüber den Risiken ab. Daher ist es notwendig, dass wir in jeder Beziehung, sei es gegenüber Mitarbeitern, Kunden oder auch Lieferanten und Mitbewerbern mutig sind. Es fällt mir schwer zu sagen, wo mutig sein am Schwierigsten ist, um auf ihre Frage zurück zu kommen. Trotzdem will ich es probieren: Es kann sehr mutig sein, einem jungen Mitarbeiter ein großes Projekt anzuvertrauen. Ebenso einem Kunden die Zusage zu geben, dass beim Ersteinsatz der neuesten Technik alles funktionieren wird. Manchmal braucht es auch den Mut, alte Lieferantenbeziehungen zugunsten von Innovation aufzulösen oder gegenüber einem vermeintlich übermächtigen Wettbewerber in den Pitch zu gehen. Wichtig ist, dass wir Chancen und Risiken in all unseren Geschäftsentscheidungen abwägen und das Ergebnis unseres Handelns vertreten, selbst wenn wir mal daneben liegen oder gar scheitern.

Frage: Respekt ist etwas, was gefordert wird und was eigentlich zu erwarten ist. Wie gehen Sie vor, wenn er Ihnen einmal versagt wird?

Markus F. Weidner: Meine persönliche Grundhaltung ist, dass jedes Verhalten, das uns ein Gegenüber anbietet, aus seiner Sicht zunächst nachvollziehbar und gerechtfertig ist, selbst wenn ich dieses Verhalten selbst nicht für angemessen halte. Damit bemühe ich mich immer, eine Haltung von Respekt zu wahren und auf den anderen mit Wohlwollen zu blicken. „Respicere“, der lateinische Wortursprung von unserem heutigen Wort „Respekt“, bedeutet „zurückschauen“, also auf den anderen einen Blick werfen, ihn würdigen. Vielleicht ist meinem Gesprächspartner gar nicht bewusst, dass er sich mir gegenüber respektlos verhält, weil sein Blick auf die Welt einfach ein anderer ist. Gerade im interkulturellen Umgang kann es schnell zu der Wahrnehmung einer vermeintlichen Respektlosigkeit kommen, getreu dem Sprichwort: „Andere Länder, andere Sitten“. Wir neigen allzu oft zu einer vorschnellen Vorverurteilung, obwohl wir vielleicht nicht alle Fakten kennen, die unser Gegenüber zu seinem Verhalten veranlasst. Für mich geht es darum, wie wir uns selbst führen, selbst wenn uns Respekt gegenüber der eigenen Person versagt bleibt. Wir können uns darüber aufregen, müssen es jedoch nicht. Und was immer hilft, das ist Reden. Ich halte es für wichtig, dass wir im Dialog mit denen sind, deren Respekt wir uns wünschen und vielleicht noch vermissen.

Frage: Weitsicht wird gefordert, weil es in der Natur der Sache liegt, sich zunächst einmal mit dem Naheliegenden zu beschäftigen, weil damit elementare Bedürfnisse zu befriedigen sind. Aber für ein Unternehmen ist die Perspektive wichtig. Können Sie einmal schildern, wie sich in einer krisenhaften Situation herausstellte, wie intuitiv entwickelte Weitsicht über kurzfristiges Profitdenken triumphierte?

Markus F. Weidner: Ich erinnere mich an eine Verhandlung mit einem großen potenziellen Auftraggeber. Die Konditionen waren bereits mehrfach diskutiert. Ich habe alle Aufwände erläutert und dargelegt und auch klar gemacht, dass es für mich keine weiteren Verhandlungsspielräume gäbe. Am Ende hat es dazu geführt, dass eine Veranstaltungsreihe in 6-stelliger Größenordnung geplatzt ist. Auf der Heimfahrt nach dem Gespräch habe ich mir die Frage gestellt, ob es richtig war, meinen Werten, meiner Haltung, treu zu bleiben. „Hätte ich nicht doch noch etwas nachgeben sollen?“ Mit dieser Frage habe ich lange gehadert, hätte es doch für das Unternehmen zwei Jahre im Voraus trotz reduzierter Marge volle Auftragsbücher bedeutet. Kurzfristig gedacht wäre es tatsächlich einfacher gewesen, klein bei zu geben und das Geschäft auch gegen meine eigene Überzeugung und mit einem Bauchschmerz zu realisieren. Heute allerdings weiß ich, wie wertvoll es war, der eigenen Linie treu zu bleiben und für Kunden frei zu sein, mit denen ich auf Augenhöhe und im gleichen Wertekanon arbeiten kann. Inzwischen bin ich sehr dankbar für diese Erfahrung.

Frage: Ehrlichkeit steht an der Spitze der Werteskala. Denken Sie, das dies Zufall ist oder meinen Sie das dies seine Ordnung hat und damit ausgedrückt wird, dass diese Eigenschaft auch Grundlage für alle anderen Werte ist?

Markus F. Weidner: Ehrlichkeit steht zu Recht ganz oben auf der Skala. Allerdings wird der Begriff immer wieder falsch verstanden. Unter Ehrlichkeit verstehe ich nicht, dass ich alles sage, poste, blogge, was mir gerade so auf der Seele brennt. Es ist nicht notwendig, dass ich eine Person durch ein zwar ehrliches, doch nicht zielführendes Feedback vielleicht sogar verletze oder gar beleidige. Selbst wenn es ehrlich ist, muss es nicht unbedingt wertvoll sein. Ehrlichkeit bedeutet für mich, dass sich Menschen auf mein Wort, eine Aussage, eine Information verlassen können. Durch Ehrlichkeit können verlässliche Beziehungen geschaffen werden, die dann auch mal schwere Zeiten schadlos überdauern. In unserem Buch „Anerkennung und Wertschätzung – Futter für die Seele und Treibstoff für Erfolg“ habe ich speziell zum Thema Feedback im positiven, wie auch im kritischen umfassend geschrieben. Gerne möchte ich darauf verweisen.

Frage: Gelegentlich heißt es, Werte seien Luxus und das Streben, ein ordentlicher Kaufmann zu sein, halte den Realitäten nicht stand, was ist zu tun, um diesen Tendenzen Einhalt zu gebieten?

Markus Weidner: Wenn wir über Luxus sprechen, stellt sich zunächst die Frage, wie wir Luxus definieren. Wenn ich mir einen Satz aus Wikipedia zu eigen machen darf, dann beschreibt sich Luxus unter anderem wie folgt. Zitat: „Luxus fasst […] Phänomene zusammen, die für einen großen Teil der Bezugsgruppe als erstrebenswert gelten.“ Demnach ist es für einen werteorientierten Menschen erstrebenswert, seine persönlichen Werte erfüllt zu wissen. Daher werden sich auch im Geschäftsleben die Menschen finden, die ein gemeinschaftliches Werteset nicht nur beschreiben, sondern durch ihr Handeln danach spürbar und erlebbar machen. Und genau das ist auch das Komplizierte. Werte sind etwas Immaterielles. Ich kann den Wert „Respekt“ nicht in eine Schublade legen, so wie ich das mit einem Hammer machen kann. Ich kann diesen Wert nur durch konkretes Handeln für mein Gegenüber spürbar machen. Ein Mitarbeiter merkt sehr schnell, ob die Werte, die in der Hochglanzbroschüre abgedruckt sind, wahrhaftig gewollt und gelebt sind. Als Lieferant merke ich sehr schnell, ob es wahr ist, dass man mir als Lieferant auf Augenhöhe partnerschaftlich begegnen möchte. Ich weiß, dass es Unternehmen gibt, deren Werte auch in der Realität Bestand haben und genauso wird man Beispiele finden, die das Gegenteil erkennen lassen und beide sind wirtschaftlich erfolgreich. Dennoch ist mein Rat, dass sich jeder an die Menschen, Unternehmen und Partner hält, deren Werte auf einer Ebene liegen. Und so verstehe ich auch die Werte-Initiative von Bernd Fritzges, dass sich zum Werte-Event die Menschen treffen und austauschen, denen der Werte-Kodex für die Veranstaltungsindustrie Leitschnur sein mag.


Ein Interview von Philipp Maas.

Mehr Informationen zu unserem #WertePionier, Herrn Markus F. Weidner und seinem Buch finden Sie hier.

 

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