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Fünf Fragen an Helena Videtic – ein Gespräch mit der Managerin des Switzerland Convention & Incentive Bureau #WertePionier

Congresse und Meetings haben in der Schweiz eine lange, erfolgreiche Geschichte und das Switzerland Convention & Incentive Bureau (SCIB) ist ein maßgeblicher Teil davon. Als Non-Profit-Organisation unter dem Dach von Schweiz Tourismus unterstützt SCIB seit 1964 erfolgreich Veranstaltungs- und Incentiveorganisatoren aus Firmen, Verbänden, Agenturen bei der Analyse, Planung und Organisation von Anlässen und bei der Kandidatur für internationale Kongressen. SCIB verfügt über die richtigen Kontakte und besitzt die nötige Portion Leidenschaft, um individuelle Lösungen für außergewöhnliche Veranstaltungen zu finden. SCIB ist weltweit in verschiedenen Märkten präsent. Die Unterstützung deutscher und österreichischer Planer erfolgt aus Frankfurt am Main. Helena Videtic, Managerin Germany & Austria, stand uns zu einem Gespräch über den Wertekodex zur Verfügung.

Frage: Wie Sie sagten, haben Sie einen Pool von zehn Ländern geschaffen, in dem Sie  vertrauensvoll zusammenarbeiten, wo man für Conventions und Incentives steht. Vertrauensvoll heißt nicht, dass man den Wettbewerb ausschaltet. Sie sehen das auch als Beispiel für einen ehrlichen Umgang miteinander. Könnte das auch  Anregung für andere sein? 

Helena Videtic: Auf jeden Fall, es heißt ja im Volksmund nicht umsonst: „Konkurrenz belebt das  Geschäft”. Unter dem Namen Destinations Circle haben sich Vertreter wichtiger Event-Destinationen aus Europa, Südamerika, Asien, Afrika und dem Mittleren  Osten in Deutschland zusammengeschlossen, um gemeinsam die vielfältigen Möglichkeiten und Vorteile der direkten Zusammenarbeit mit Convention Bureaus  bzw. Tourist Boards (sog. NTOs) herauszustellen. Dies ist auch die Botschaft an  unsere Kunden. In der doch sehr überschaubaren MICE Welt Deutschland treffen wir  uns zum regelmässigen Austausch, 1x Jahr führen wir gemeinsam ein Sommerfest  durch und laden wichtige Marktplayer und Kunden dazu ein. Dies für mich ein  gelungenes Beispiel, dass man als Konkurrenten auch miteinander arbeiten kann.

Frage: Ein wichtiger Aspekt des Wertekodex ist Mut. Wäre es Ihnen möglich kurz zu schildern, wie Sie das in Bezug auf ihre Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter sehen? 

Helena Videtic: Mut bedeutet für mich, seine eigene Komfortzone zu verlassen, neues  auszuprobieren und sich auch mal auf eine unsichere Situationen einzulassen. Schweiz Tourismus nimmt sich diesen Aspekt besonders in einer touristischen Kommunikation zu Herzen. Hier wird gerne überraschend, erfrischend und eben mutig kommuniziert. Immer mit einem kleinen Augenzwinkern: ein Beispiel https://www.youtube.com/watch?v=2AApP13LGcE  Auch im Leitbild und in der Vision hat der Wert “Mut” einen ganz besonderen Stellenwert.

Frage: Zuverlässigkeit ist schon einmal etwas, was den Schweizern grundsätzlich  nachgesagt wird. Gerade bei Veranstaltungen mit sehr vielen Teilnehmern ist das etwas, worauf es ankommt, wenn es gelingen soll. Was sind für Vorkehrungen zu treffen, dass dies immer gelingt? 

Helena Videtic: Glücklicherweise ist das Thema „Zuverlässigkeit” in der Tat eine Tugend der  Schweiz und Schweizer. Für mich hängt dies einerseits ganz klar vom Briefing des Auftragsgebers und dem Zuhören & Verständnis des Dienstleisters ab. Es ist unumgänglich, dass eine gemeinsame Sprache (im übertragenen Sinne) gesprochen wird. Vertrauen von beiden Seiten! Letzten Endes kann man  „Zuverlässigkeit” aber nicht lernen, das ist eine Eigenschaft, die man (auch ein Unternehmen) hat und lebt oder eben nicht und die m.E. nach der Grundstein einer jeder Zusammenarbeit ist.

Frage: Sie veranstalten ja nicht selbst, sondern stellen den Kontakt her. Im Wertekodex ist von Weitsicht die Rede. Stellt das besondere Herausforderungen an Ihr Unternehmen? 

Helena Videtic: Wir machen als Schweiz Tourismus natürlich auch selber Veranstaltungen, z.B. für unsere Kunden oder auch für Pressevertreter. Grundsätzlich: “Weitsicht” bedeutet für mich, mögliche Risiken oder Probleme bereits im Vorfeld zu identifizieren und aus dem Weg zu räumen, damit solche Probleme gar nicht  erst entstehen, hier kommt dann das klassische kaufmännische „Risk Management” zum Tragen. In Hinblick auf unsere Tätigkeit mit Kunden aus Deutschland und Leistungsträger in den Destinationen geht mit dem Begriff „Weitsicht” für mich ganz klar das Thema Vertrauen und Ehrlichkeit Hand in Hand. Dies stellt alle Stakeholder vor die gleichen Herausforderungen: ein Leistungsträger (z.B. eine Location oder ein  Hotel) kann keine Gedanken lesen, ein detailiertes Briefing und natürlich ehrliche und offene Worte ist immer unabdingbar.

Frage: Gelegentlich heißt es, Werte seien Luxus und das Streben, eine ordentliche Kauffrau zu sein, halte den Realitäten nicht stand, was ist zu tun, um diesen Tendenzen Einhalt zu gebieten? 

Helena Videtic: Für mich sind Werte im Business kein Luxus, sondern eine Selbstverständlichkeit. Mir ist bewusst, dass man mit einer solchen Einstellung durchaus auch auf die Nase fallen kann und auch wird.  Aber für mich ist auch ganz klar, dass ich keine Geschäftsbeziehung aufrecht erhalten möchte, die nicht auf Werten wie Vertrauen, Ehrlichkeit und Loyalität aufgebaut ist. Hier kommt das Stichwort „Nachhaltigkeit” wieder auf. Die kulturellen Werte-Unterschiede sind teilweise wirklich frappierend, auch in unserer Branche: während sich Veranstaltungsplaner und Branchenteilnehmer in Deutschland und Europa ganz oft mit dem Thema „No Shows” auseinandersetzen müssen, bemerken wir gleichzeitig, dass dies in den asiatischen Märkten so gut wie gar nicht vorkommt und vor allem gar kein „daily” Thema ist. Daher komme ich zum Schluss: ein Wertekodex ist auf jeden Fall eine feine Sache, denn Leitplanken helfen, nicht von der Spur abzukommen.

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Fünf Fragen an Alexander R. Petsch – ein Gespräch mit dem Chef von børding Messe #WertePionier

børding messe ist Veranstalter etablierter Fachmessen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Aufgrund der langjährigen Messeerfahrung in verschiedenen Bereichen wie u.a. Personalwesen, Online-Marketing, Arbeitssicherheit, MICE und Business Travel können Besucher und Aussteller auf einen engagierten und professionellen Messeveranstalter zählen. Als reine Fachmessen konzentrieren sich Messen von børding auf das Wesentliche: Fachbesucher mit Entscheidungs-kompetenz treffen auf erstklassige Aussteller, erleben neueste Branchentrends und nehmen hochaktuelles Fachwissen mit. Alexander R. Petsch, Chef der børding messe GmbH & Co. KG  in Mannheim stand uns für ein Gespräch zur Verfügung.

Frage:  Werte im Blick zu halten in einer Zeit, in der postfaktisch Mode geworden ist, ist sicher nicht ganz einfach, aber Sie haben ein Unternehmen, das sehr kundenorientiert ist. Ehrlichkeit steht an der Spitze der Wertekodexpyramide. Denken Sie, dass dies Zufall ist?

Alexander R. Petsch: Nein, das ist kein Zufall. Ehrlichkeit und Verlässlichkeit sind die Grundlagen für einen nachhaltigen Geschäftserfolg. „Ehrlich währt am längsten“ – so wurde es mir schon von klein auf vermittelt. Und außerdem: „Wer sich nicht alles merken kann, bleibt besser ehrlich.“

Frage: Sie haben ein Unternehmen das aktuell bis zu 20 Fachmessen im Jahr organisiert, und sie stehen im Wettbewerb mit anderen Unternehmen. Sie sind erfolgreich, weil sie es etwas anders machen als der Wettbewerb, auch hier spielen die Dinge eine gewisse Rolle die im Wertekodex verankert sind. Können sie uns sagen, was das Wichtigste ist?

Alexander R. Petsch: Loyalität und Ehrlichkeit gegenüber Kunden und Partnern. Wer auch in schwierigen Zeiten zusammenhält, kann langfristig auf eine gesunde unternehmerische Bilanz blicken. Durch die Treue und Zuverlässigkeit gegenüber Geschäftspartner entstehen zudem oft neue Ideen. Das gilt ebenso für die eigenen Mitarbeiter. børding setzt sich aus einem Mix von vielen jungen Talenten und erfahrenen Kollegen zusammen. Diese Mischung spiegelt sich in den Werten wieder, die jeder Mitarbeitende in der ihm eigenen Ausprägung einbringt. Sei es jetzt der Mut, in einer brenzligen Situation eine Entscheidung zu treffen oder die Ehrlichkeit, zu gemachten Fehlern zu stehen.

Frage: Bei aller Liebe zur Kunst, ist sie doch mit Mühen verbunden. Was denken Sie, welches der Postulate: Ehrlichkeit, Loyalität, Mut, Respekt, Weitsicht, Verantwortung und Zuverlässigkeit und das gegenüber Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten und dem Wettbewerb ist in ihrem Geschäft am schwierigsten durchzuhalten?

Alexander R. Petsch: Wenn ich mich entscheiden muss: Weitsicht. Auch wir als Messeveranstalter, der viel mit der Zukunft verschiedener Branchen zu tun hat, können nicht um die nächste Ecke schauen. Disruptive Geschäftsmodelle werfen mit rasanter Geschwindigkeit alte Grundsätze über den Haufen. Aber je digitaler die Welt wird, desto mehr braucht eine Branche auch ein Leuchtturm oder ein Lagerfeuer, an dem man sich persönlich trifft. Hier entstehen Geschäftsideen und Kontakte, die tausende virtuelle „Freunde“ nur schwer übertreffen können.

Frage: Werte sind ja etwas Besonderes in unserer jetzigen Zeit, die von Egoismen geprägt ist. Wie sind Sie eigentlich mit dem Themenkreis in Berührung gekommen?

Alexander R. Petsch: Vor etwa 15 Jahren, bei den ersten Workshops meiner Führungskräfte. Diese werden noch heute durchgeführt. Andererseits finden wir die öffentliche Plattform der WerteFoundation sehr ansprechend, die handfest und nachvollziehbar die Schlüsselwerte aufzeigt. Der damit verbundene Leitfaden und die Handlungsempfehlungen helfen dabei, die Werte zu verankern. Wenn ich weiß, wo ich herkomme, wo ich hin will und wofür ich stehe gibt mir das die nötige Orientierung, um die eigene Zukunft selbstbestimmt zu gestalten.

Frage:  Gelegentlich heißt es, Werte seien Luxus und das Streben, eine ordentliche Kaufmann zu sein, halte den Realitäten nicht stand, was ist zu tun, um diesen Tendenzen Einhalt zu gebieten?

Alexander R. Petsch: In Ruhe abwarten und zu seinen Werten stehen. Die Zeit wird das Ergebnis deutlich machen, alles andere ist Strohfeuer. Es ist immer einfach das Tafelsilber für einen kurzfristigen Erfolg zu „verfrühstücken.“

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